Vincenzmur’s
ikonisches rosa
Fettpapier

Verlässlich gute Weißwürste, frisches gemischtes Hackfleisch im rosa Papier, das hat sich in Jahrzehnten der Münchner Kundschaft als Vinzenzmur Markenzeichen eingeprägt.

Wie konnte das rosa Papier in der neuen Gestaltung verloren gehen?

Womöglich haben die Entscheidungsträger im Haus und deren Agenturpartner selbst nicht über die Jahre ihre Weißwürste, ihr gemischtes Hackfleisch frohgemut im rosa Papier nach Hause getragen, sonst wäre ihnen am eigenen Verhalten der Gebrauch und seine unter die Haut gehende Wirkung sicher bewusst geworden.

Heute wissen Gestalter, daß gute Gestaltung sich in Verhalten auflöst und das Markenbildung weniger einbringt als ein intensives, kontinuierliches Bemühen zur Markenprägung beizutragen.

Auch wenn mehrheitlich die Meinung vertreten wird, daß die Logotype (siehe oben) die Markenprägung dominiere, entgeht den Marketingpraktikern dabei womöglich die eingefleischte und somit glaubwürdige Bedeutung und Wirkung, wie sie dem Verhalten mit dem Produkt zu entnehmen ist.

Entsprechen nachfolgende Bilder nicht dem Eindruck den Sie von einem Besuch beim Metzger, neben der in rosa Papier eingepackten Besorgung, mit nach Hause nehmen wollen? Duftendes Fleisch, weisse Kacheln, Arbeitsgerät, Betriebsamkeit…

Kate Kavanaugh, Inhaberin des Western Daughters Butcher Shoppe in Denver, Colorado. Foto: Ryan Dearth für die NYTimes.
Kate Kavanaugh, Inhaberin des Western Daughters Butcher Shoppe in Denver, Colorado. Foto: Ryan Dearth für die NYTimes.
Janice Schindler, Generaldirektorin, Meat Hook in Brooklyn, NY. Foto: Benjamin Norman für NYTimes.
Janice Schindler, Generaldirektorin, Meat Hook in Brooklyn, NY. Foto: Benjamin Norman für NYTimes.

Das Vinzenzmur Logo, auch das neue in grün-grau oder weinrot, trägt niemand so handgreiflich nach Hause wie die in rosa Papier verpackte Besorgung. Das nunmehr einem weissen Fettpapier, mit wenn auch hübschen Kupferstichen von Tieren, Utensilien oder Tierkadavern darauf Platz machen musste.

Vignette

Mittlerweile habe ich mich umgesehen, wen ich mit dem rosa Papier unnötig belaste und habe eine anständig gebündelte, sogar kommunikativ integrale Arbeit mit Schwerpunkt Ladenausstattung der unabhängigen Münchner Agentur Zeichen & Wunder vorgefunden, um deren Portfolio ich die Gründer Irmgard Hesse and Marcus von Hausen und ihr Team bewundere und beneide.

In meiner lebenslänglichen Erfahrung mit Agenturen vermeinte ich ein Phänomen festgestellt zu haben, das es Kreativen unmöglich macht sich ihr eigenes Konsum- oder Nutzerverhalten einzugestehen. Demzufolge Kreative sich niemals als Konsumenten befinden, Kreative sich einer höheren Kaste zugehörig empfinden und das ein solches Befinden sehr wohl dazu geführt haben mag, die Bindung der Vinzenzmur Nutzer zur rosa Verpackung übersehen zu haben.

Kunstkacke

Die einzig feine bayrische Art wäre gewesen mir meine Weißwürste weiterhin in rosa Papier mit nach Hause zu geben. Vinzenzmur eine Metzgerei sein lassen und die Chill-Out Zonen den Berlinern zu belassen. Vielleicht hätte Florian Süssmayr mal ein Bild mit rosa Fettpapier dem Vinzenzmur überlassen, gerade so wie er zwei Presswurstbilder der Metzgerei Puch in der Waldfriehofstrasse zum aufhängen dagelassen hat. Aber ich glaub’s ja nicht.