Zeichen der Zeit
John Baldessari Installation auf Manhattan
Foto: Bill Orcutt, via John Baldessari und Marian Goodman Gallerie
Inflation
Unterwegs auf der ultra-schicken, hohen Zeile Manhattan’s begegnet der Erholungsuchende dieser Tage, einem gigantischen Plakat mit einem 100-tausend Dollar Geldschein. Eine Installation von John Baldessari und Währung, die es zur grossen Inflation auch tatsächlich gegeben hat. Makabres Zeichen unserer inflationären Zeit. New Yorks neue Attraktion, der High Line Park entstand auf einer alten Bahntrasse, die in zehn Metern Höhe sich auf einem stählernen Hochviadukt über zwei Kilometer durch die New Yorker Stadtteile Meatpacking District und Chelsea zieht. Vor Baldessari hatte David Byrne die Idee einem grossen Erdball die Luft zu entziehen.

David Byrne's Wiedergabe unseres bedrohten Planeten
Bild via Pace Gallerie.
Wirklichkeitsverzerrung
In den Vereinigten Staaten besteht die unter dem schönen Namen Tea Party, bekannt gewordene Volksbewegung darauf, dass Grünhauseffekt und damit einhergehende, für die Ökologie gefährdende Statistiken, verzerrt dargestellt werden. In Deutschland berichten die Nachrichtensender, dass die Arbeitslosenzahl seit 20 Jahren ihren Tiefststand erreicht hätten. Aus dem Umfeld weiss ich von 7 Fällen, allein in der letzten Woche, wobei die Leute sich gar nicht erst arbeitslos melden, in der Gewissheit unter Hartz IV, ihre privaten Einlagen und die ihrer Verwandten aufbrauchen zu müssen um ihre, durch erbrachte Steuerzahlung, zugesicherte Unterstützung überhaupt in Anspruch nehmen zu können.
oder einfach so weiter machen?
oder sich Hass und Verachtung von Familie u. Gesellschaft erst garnicht aussetzen und besser gleich unter die Brücke ziehen?
D64
In seiner gestrigen Montagspredikt schrieb Ralf Schwarz: “D64 sind Menschen, die täglich mit den Möglichkeiten und Herausforderungen des Internets für die Transformation unserer Gesellschaft arbeiten” – ich mag diese Alleinstellungs- und Vertretungs-Ansprüche. Widersprechen kann man dem sowieso nicht: “Sie sind sich einig, dass man Politik für die Zukunft nicht mit Gedankengut von gestern machen kann”. Werden wir also alle Mitglied in diesem Verein, “um Deutschland für die digitale Demokratie vorzubereiten”. —Ralf Schwarz Jedes bisschen hilft. Es ist nur konsequent die Piratenpartei in diesem, ihrem Anliegen parteipolitisch zu unterstützen.

Abstellgleis zu neuem Leben erweckt Foto: Iwan Baan
Wir leben im Zeitalter von Ideen die tun
Seit Gareth Kay die Idee von Ideen die tun prägte und somit eine praktische Lösung für Industrie (und Gesellschaft) ins Gespräch brachte, sehe ich für mich die unabwendbare Notwendigkeit gegeben, den Mund zu halten, Tatsachen zu schaffen und wenn alles gut geht einmal davon zu profitieren, dass andere darüber reden. Sitte, Verstand und der Druck von Innen verlangen es förmlich, uns als wandelbar (transformativ) oder auch anpassungsfähig zu erweisen. Tun ist gut. Es lässt uns des Nachts Schlaf finden. Es ermöglicht kleinen Unternehmen mit nützlichen Ideen von sich reden zu machen. Du malst Dir eine Idee aus, malst Dir den Produktionsweg aus, bis Du ihn rückwärts aufsagen kannst, vom fertigen Produkt bis vor zum Anfang der Entwicklung. Et voilà. Alles fraternisieren hindert nur. Es braucht keine Organisation um einen Nagel in die Wand zu schlagen. Hammer, Nagel, Deine Hände, draufschlagen und schon hängt das Bild an der Wand. D46 nutzt seine Ressourcen und Fähigkeiten nicht um die im Bundestag ansässige Piratenpartei mit dementsprechenden Zielen zu stärken, aber für den Aufbau einer Organisation von oben nach unten. Die Ämter wurden besetzt, die Eitelkeiten befriedigt noch bevor eine Idee die tut auch nur angedacht wird. Als Graphiker und Mitgestalter der digitalen Epoche gefällt mir der Aktionismus der seinen digitalen Ausdruck findet auf der Website des New Yorker High Line Park, die Website von D46 erinnert an die gedruckte Version von Vereinsstatuten, auch wenn es sich hier um WordPress CMS handelt. Bei der Gründung der US Werbeagentur Victors & Spoils war ich anfangs ebenfalls erschrocken darüber, dass zuerst ein Logo per Crowdsourcing entwickelt wurde, sich die Reihenfolge hinterher aber als klug erwies. Möge das, mir als eitel erscheinende, Vorgehen von Nico Lumma und Freunden sich als gute Strategie erweisen und möge sich D64 rasch zu einer aktiven Platform für Ideen die tun entwickeln. Tun ist gut.
