VW Schrottkarre

„Lemon ist im Englischen ein Synonym für Schrottkarre.
Das war neu.”—Amir Kassaei

Dieser Vokswagen verpasste den Anschluss. Die Chromverzierung auf dem Handschuhfach ist verunstaltet und muss ersetzt werden. Gut möglich, dass Sie es übersehen hätten, Qualitätsprüfer Kurt Kroner aber nicht.

1960 publizierte Volkswagen die womöglich berühmteste Anzeige aller Zeiten: Lemon (Schrottkarre). Die einsilbige Überschrift beschrieb einen Käfer der es nicht zum Händler geschafft hätte. Er hatte einen leicht zu übersehenen Fehler, genug um vom VW Ingenieur Kurt Kroner zurückgewiesen zu werden und Julian Koenig, DDB Texter, dazu veranlasste gemeinsam mit dem legendären Art Direktor Helmut Krone die Anzeige aufs Papier zu bekommen.

Im Text wurden 159 Prüfstellen erwähnt und einem Willen „Nein” zu Autos zu sagen, die dem Volkswagen Anspruch ein besseres Auto zu bauen nicht entsprachen.

Die Voreingenommenheit mit Details will bedeuten, dass VW länger durchhalten und weniger Reparaturen benötigen als andere Autos. Es bedeutet auch das ein VW weniger schnell an Wert verliert. Mängel (Lemons) werden aussortiert, Qualität ist was der Käufer bekommt.

 

 

Die Anzeige mitsamt DDB’s weiteren Erstlingsanzeigen für VW brachte die kreative Revolution der Werbung ins Rollen. Das änderte alles für die Werbung. Ganz Amerika machte Bekanntschaft mit der Marke die zur Lieblingsmarke der Amerikaner werden sollte. Eine Marke die für Qualität (German Engineering), Aufrichtigkeit und Verpflichtung gegenüber seinen Kunden stand. Kein Produkt, nicht ein Hersteller aber eine Marke die viele Millionen wert war.

2014 verzeichnete VW eine Goodwillschätzung oder Kulanzschätzung von $23 Milliarden in seiner Bilanz.

Während Goodwill ein immaterielles Gut ist verglichen mit tatsächlichen Vermögenswerten (Immobilien, Betriebsmittel und Lagerbestände; Wertpapiere, Barmittel etc.), definiert sich der Markenwert beträchtlich auch durch solche Kulanzschätzung. Die Rechnung beinhaltet das unfassbare, das einem in der Sinn kommt wenn man den Namen hört, das Logo sieht. In anderen Worten: die Glaubwürdigkeit.

Wenn VW keine Autos hätte, keine Händler und keine Fabriken, was wäre die Marke wert? Das ist Goodwill (Kulanz).

Bei Volkswagen trug die Werbung viel zu den $23 Billionen bei, angefangen mit brillanten Anzeigen von Doyle Dane Bernbach (DDB), später Arnold’s charismatische „Fahrer gesucht” Kampagne und neuerdings brachte Deutsch uns zum lächeln mit seiner Star Wars „Die Macht” Werbung.

 

 

 

 

Pech, das Kurt Kroner nicht länger unter uns weilt

Falsch.

1︎⃣ Kurt Kromer nimmt heute mehr Einfluss auf QA (Qualitätssicherung) als noch in der 60er Jahren. Er arbeitet nicht länger für VW aber ist heute mit bloggen beschäftigt.

Edward Boches bemitleidet VW, auch wenn sie weniger Schaden vom Diesel Emissionsschwindel nehmen werden als ihre Händler.

2︎⃣ Die Käufer haben keinen Schaden bis auf den, auf falsche Versprechen hereingefallen zu sein. Aber gehört das nicht zur Kulanz? Großzügigkeit bewahrt die Leute vor Kleinmut.

3︎⃣ German Engineering kann gerade durch das VW Ungeschick wieder zu Leben erweckt werden. German Engineering ist eine Farce, ein Mythos der im Ausland gehegt wird. Der große Hebel wird nicht länger von der Automobilindustrie umgelegt aber von der Digitalindustrie.

4︎⃣ Hätten Käufer wirklich ein Interesse daran sich um die Umwelt zu sorgen, dann hätten sie das Geld für ein EV (Elektroauto) hinlegen oder auf’s Fahrrad umsteigen müssen.

5︎⃣ Schuldzuweisung ohne distanzierte Selbstkritik ist keinen Cent wert.

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