Jörg Brühmann mit einem auf hochdeutsch verfassten Brief an Horst Seehofer.

Jörg Brühmann mit einem
auf hochdeutsch verfassten Brief an Horst Seehofer.

Facebook, 21. März um 10 Uhr 35

 

Wir müssen reden.
Es geht um einen Mann, dessen Aufgabe es lange war, das Land aus dem ich komme zu vertreten. Und den heute immer noch viele Menschen als „Repräsentant“ oder beispielhaft für die hiesige Bevölkerung sehen.
Und es geht um Bayern. Das Land in dem ich geboren bin und den Großteil meines Lebens verbracht habe. Das mich aufs tiefste geprägt hat, vom Lebensgefühl bis zur Sprache.
Mein Bayern besticht durch die „Liberalitas Bavarica“ und ist geprägt von Gemütlichkeit und Geselligkeit, aber auch Weltoffenheit und Toleranz. Wo Tradition und Zukunft nebeneinander existieren können. Einem Land von Leben und Leben lassen, in dem man viel von anderen lernen, aber nicht den anderen alles nachmachen muss.1
Mein Bayern ist das in dem Monarchen ihr Geld zumindest auf Schlösser und Denkmäler verschwendet haben, nicht auf Kriegsflotten. Das Land von Hans Söllner und den Biermösl Blosn. Das Land der Bahnhofsklatscher und der Ehrenämtler. Wo man seine Heimat lieben darf ohne die der anderen hassen zu müssen. Wo wir uns über die Schönheit der Natur freuen und sie nicht zubetonieren.
Und ich weiß dass ich nicht der Einzige bin.
Für das alles stehen Sie, Herr Seehofer, nicht.
Mein Bayern braucht keine Mauern und keine scharfen Grenzen. Keine Überwachung oder Geheimpolizei. In meinem Bayern glauben wir an ein freies Europa und suchen nicht den Schulterschluss mit Populisten. In meinem Bayern versuchen wir nicht die AfD rechts zu überholen. Unser größtes Problem hier ist NICHT der fußballspielende, ministrierende Senegalese, sondern der Politiker, der solche Sätze äußert. Wir schüren keine Ängste vor den „Fremden“ und brauchen auch keine Obergrenzen.
Sie, Herr Seehofer, sind nicht mein Bayern.
Und ich schäme mich dafür dass Leute in Deutschland denken, „Sie waradn mia“.2
Unsere bayrische Kultur hat 1500 Jahre lang überlebt. Und sie ist immer noch lebendig. Wir müssen sie nicht konservieren. Denn Formaldehyd bleicht aus was es konservieren soll.
Und statt um unsere Kultur, unser Lebensgefühl oder unsere Sprache zu fürchten sollten wir sie feiern. Und jeden einladen der sie mit uns feiern will. Denn nur so bleibt unser Bayern das was es ist. Ein Land in dem Tradition und Zukunft nebeneinander existieren können. Wo man viel von anderen lernen, aber nicht den anderen alles nachmachen muss.
Mit den Worten von Georg Lohmeier: „Das Bayrische ist eine Denkweise. Ein guter Bayer kann auch aus Afrika sein.“
#NedmeiBayern
#NedmeiHorst