Wired Titel März 2015

Wired Titel März 2015 Foto von Olaf Blecker

 

 

„Was soll das?”

Aus Gesprächen, die nur beiläufig etwas Netzbezogenes zum Inhalt hatten, also keine fälschliche Antwort auf die Frage, wie jemand sich zum Bloggen verhalte, kamen inmitten der Geschäftsräume des altehrwürdigen Antiquariats in der münchener Türkenstrasse, Hinweise zum Verhalten gegenüber dem deutschen Netz.

„Was soll das?” bringt die Empörung und Fassungslosigkeit zum Ausdruck, wenn mit einem Mal Leute über Blogs populär werden, Attitüde an den Tag legen und in Fernsehdiskussion Antworten zu Fragen wissen, die der Bürger niemals stellte.

Sie wissen rein gar nichts anfangen mit dieser, wenn auch augenfälligen Gestalt mit rotem Mohawk, zu dessen Pflege dem Skinhead seine Zeit und Geld nicht wert wären, zur einem Gesicht, das weder der Arbeiterklasse noch den Angestellten der Verwaltungen so recht entspricht. Ein Hybrid aus nicht zutreffenden Elementen widersprüchlicher Kulturen. Hierzu mein: „Was soll das?”

Zu den vielen Fehlinterpretationen und unterlassenen Dokumentationen auch noch der nationale Netzvertreter Sascha Lobo und schon will keine rechte Lust zu Bloggen aufkommen oder sich mit dem Thema Internet, Demokratisierung und Transformation zu beschäftigen. Im Gegenteil, der Typ macht den Leuten Angst.

Deutsche Medien neigen dazu, alte Monopolvorstellungen in die neue Welt zu tragen.

Die Blogosphäre aber ist kein Kolosseum für einen Gladiator, vielmehr eine Sphäre der Gedankenführung getragen von Technologie für Wissenstransfer

Wired März 2015 Foto von Olaf Blecker

 

 

Einigermassen erstaunlich ist, dass die, für Superlative und Unmöglichkeit gerühmte Nation, keine solch augenfällige Digiratis zur Schau stellt. Die Original-Blogosphäre ist kein Kolosseum für einen Gladiator. Es ist eine Sphäre für Verschiedenartigkeit und Gedankenführung. Im Ursprungsland USA sind es Leute, die Bloggen als eine Erweiterung zu ihrem Studium anwenden, Autoren, die ihre Leserschaft erweitern wollen, die Mehrzahl, die Verkaufsförderung für ihr Geschäftsmodell erzielen wollen. Ganz normale Leute und keine Rockstars, wie es uns unsere Werbeindustrie jahrelang empfohlen hatte. Bloggen dient nicht so sehr der Eitelkeit, aber einer Sache oder Produkt.

 

 

Sascha Lobo über seine re:publica-Absage