Nach E-Post Brief und De-Mail, jetzt E-Mail made in Germany. Deutsche IT Unternehmen kollaborieren, um gemeinsam die Empörung über das Datenphishing von Geheimdiensten wirtschaftlich zu nutzen. Das sieht nutzbringend aus, ist aber bereits in einer Stellungnahme vom Chaos Computer Club, als nahezu nutzlos entlarvt worden.

Kleine Indikatoren, an denen Sie erkennen können, wie wenig ein Unternehmen Wert auf Gestaltung legt und damit zum Ausdruck bringt, dass dem Unternehmen nicht daran gelegen ist, das Leben seiner Kunden leichter zu machen.

 

 

mail made in germany

 

 

Der erste Eindruck. Bindestriche in der URL sollen die Lesbarkeit fördern, erschweren aber den Umgang damit. Derselbe Usability Unfug vier Mal in einer URL.

 

 

Siegel

 

 

Ich soll Vertrauen fassen in ein Siegel, das geradewegs aus den Neunziger Jahren kommt. Ein Siegel sieht anders aus. Alle Welt (Windows 8, Apple iOS) prägt die Gewohnheiten mit flachem Design und dann das (Gelächter).

 

 

1und1 und Telekom

 

 

„Das sind mir die richtigen.” Die einen machen es den Benutzern schwer, online flexibel zu arbeiten, mit einem kostenpflichtigen Website CMS, das gegen den kostenfreien Wettbewerb zum Himmel stinkt, die anderen haben Google geholfen in Deutschland groß zu werden und wollen jetzt mit E-Mail made in Germany gegen sie zu Felde ziehen.

 

 

FAZ: „T-Online hat sich einen Vampir ins Haus geholt“ „T-Online macht gerade einen schweren strategischen Fehler - den dritten in Folge!, sagt Manfred Klaus, Geschäftsführer von Overture. „Erst Fireball, dann Infoseek und nun Google: T-Online reibt die Nutzer in die Händer seiner Suchmachinen.“

 

 

Pro

  1. Aus der Idee der E-Mail-Dienste könnte eine Industrieinitiative werden, um diesen Kommunikationsweg innerhalb Europas zu sichern.
  2.  

     

    Kontra

    1. In zwei Pressemitteilungen kritisiert der Chaos Computer Club die fehlerhafte und unzureichende Verschlüsselung von E-Mail made in Germany als vorwiegend „werbewirksam“.
    2. Die E-Mail-Anbieter Posteo und Mailbox.org, wie auch der Fachverlag Heise Online kritisieren außerdem, dass das Verfahren Inter Mail Provider Trust, mit dem sich Server im Verbund E-Mail made in Germany gegenseitig authentifizieren, undurchsichtig sei und eine künstliche Abschottung erzeuge. Mit DANE stünde ein offener Standard (vom August 2012) als Alternative bereit, mit dem sich Vertrauenswürdigkeit der Kommunikationspartner und Integrität der Verschlüsselung sicherstellen ließen. Mit Blick auf DANE stelle sich auch die Frage, ob die Zertifizierungskosten für Anbieter, die E-Mail made in Germany beitreten möchten, nicht eine unnötig hohe Hürde seien.
    3. Der E-Mail-Anbieter Mailbox.org hat über seine Webseite mitgeteilt, die Initiative könne zwar in der Theorie alle Anbieter aufnehmen, aber „in der Realität wird die Teilnahme anderer Anbieter systematisch verhindert“. Seit mehreren Monaten würde ein Antrag auf Teilnahme von den großen Initiatoren ignoriert, und man frage sich, ob das umstrittene „‘E-Mail made in Germany’ lediglich eine Marketing-Luftblase“ sei.
    4. Zudem ist nicht sichergestellt, dass die beteiligten Provider den Datenverkehr oder einzelne Nachrichten nicht doch auf Verlangen von Behörden oder auf Zwang durch einen Gerichtsbeschluss herausgeben.

    Wer sagt denn, dass E-Mail made in Germany, bei Erreichen der Marktdominanz, nicht den Prozess der Unternehmen umkehren, die von Papier auf elektronische Korrespondenz umgestellt haben und mit kostenpflichtigen Beiträgen ad Absurdum führen werden?

     

     

    Knoten

    Die Nutzung (Suche, E-Mail, Kommunikation…) ist den Menschen viel mehr wert als der Verzicht auf Datensammelei. Daher sind die Aufrufe unserer Politiker und Datenschützer, doch bitte auf Google, Facebook, WhatsApp und Co. zu verzichten, wirkungslos.