PARADEBEISPIEL FÜR DEN DEUTSCHEN HANDEL.

 

 

 

 

Hans Thomann Foto: Michael Hudler/Brandeins

Hans Thomann Foto: Michael Hudler/Brandeins

Sven Schoderböck Foto: Michael Hudler/Brandeins

Sven Schoderböck Foto: Michael Hudler/Brandeins

 

 

Christoph Koch erzählt auf Brandeins die Geschichte eines fränkischen Familienunternehmens. Wie der Spleen des Gründers auf den Sohn übertragen wird und wie der Sohn sehr früh auf das Internet zu setzen weiss und aus Furcht vor den grossen, globalen Aggregatoren nicht gleich alles liegen und stehen lässt.

Anstatt schreiend aus der Hintertüre der übernommenen Scheune zu rennen, akzeptiert das Familienunternehmen die Dominanz grosser Aggregatoren und beginnt damit, die Erfolgsfaktoren zu imitieren.

Mit dem Unterschied, dass nur dann in Expansion (Mitarbeiter, Lagerräume, Logistik) investiert wird, wenn sich ausreichend Ersparnisse angesammelt haben. Auch wird das Musikhaus seine Leute nicht schröpfen, wie es für Amazon unumgänglich scheint, auf Grund der Renditezusage gegenüber Aktionären.

Für das fränkische Unternehmen kommt ausserdem das Zeit begünstigte Momentum der Medienaufmerksamkeit zum tragen, das Fernsehmagazin „Wiso“ wollte bei Thomann einen Beitrag über Firmen drehen, die im damals noch jungen Internet präsent waren.

Sven Schoderböck, der seit 1996 dabei ist, programmierte in 3 Tagen die Webseite.

 

 

„Mir wurde irgendwann klar, dass durch Google am Ende derjenige gewinnt, der nicht nur automatisiert Produktinformationen der Lieferanten in seine Website reinlaufen lässt”

Abbildung t.blog Beitrag: Andi Arneth aus dem Thomann Custom Shop bei Gipson in Memphis

 

 


Das offensichtliche Verhalten der Musiker, die den Laden betreten, eine Gitarre aus der Halterung nehmen, sie ausgiebig prüfend, von allen Seiten her betrachten, um schliesslich den Hals mit der Hand zu umspannen und erste Akkorde anschlagen.

Schoderböck gelingt es, das Familienunternehmen davon zu überzeugen, dass das physische, haptische Bedürfnis der Nischengemeinschaft weitgehend im Netz befriedigt werden muss und schafft fortan kontinuierlich neue Bedeutung für die Marke.

Auf erste Fragen erhalte ich in Minuten schnelle Antwort.

 

 


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Interview mit Sven Schoderböck

F: Auf was begründen Sie den Entschluss, die Thomann Seite Hand zu kodieren und würden Sie das heute wieder so tun, oder würden Sie mittlerweile auf ein Vorlagen basierendes Webdesign setzen und mit PlugIns Dritter arbeiten, etwa für den Webshop.

A: Damals gab’s keine Optionen, aber wir haben die Entscheidung nie bereut. Heutzutage würde ich wohl so ein Projekt mit einer Standardsoftware starten und erst bei entsprechendem Traffic auf eine Custom-Lösung switchen.

F: Ich nehme jedoch an, die Antwort ergibt sich aus der Geschichte, 1956 (sollte 1996 heissen) gab es kein WordPress, Squarespace und keine Weltweite Gemeinschaft an Entwicklern, die sich für die Dynamik solcher CMSysteme einbringen?!

A: Naja, 1956 hatten wir auch noch keine Website.

F: Ist der Erfolg Ihrer Arbeit in Ihrem Entschluss zu begründen, möglichst viele Fragen der Interessenten zu antizipieren und online zu beantworten (hauseigenen Produktfotos, Klangmuster…)?

A: Das müssen wir, denn unsere Kunden siten überall in Europa und wie’s so kommt, tauchen Fragen oft Nachts oder am Wochenende auf, wenn wir geschlossen haben.

F: Was waren die entscheidenden Faktoren, dass sich die Beliebtheit und Qualität von Thomann herumgesprochen und durchgesetzt haben?

A: Das müssen sie unsere Kunden fragen, aber ich glaube, wir haben halt einfach immer das gemacht, was sich die Kunden gewünscht haben und das fanden sie klasse.

F: Welche Rolle spielt t-blog im Kundendialog, ist earned Media überhaupt nachweislich wichtig bei der Markenbildung und dem Webtraffic?

A: Gegenfrage: Wie würden Sie als Nischenanbieter wie Thomann eine Marke aufbauen.

F: Wenn Sie 3 Dinge nennen würden, die zum Erfolg von Thomann beigetragen haben, welche wären das?

A: Sex, Drugs und Rocknroll.

 

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