Helvetica frisst die Welt

Typographie

Es kann passieren wie zuletzt bei GAP, daß die Anhängerschaft eine Helveticanisierung verhindert.

 

Calvin Kleins Logo-iteration aus den frühen 1990 Jahren. Aktuelle Version ist von Raf Simons, nur Versalien die ein klein wenig fetter ausfallen.

 

Die neue, von Ricardo Tisci und Peter Saville in vier Wochen geschaffene Wortmarke für Burberry sieht aus als wie mit Microsoft Word gemacht (David Griner).

 

American Apparel Wortmarke war schon immer der integrierten Kommunikation inhärent. Ein gewollter Zusammenstoß von klarer, klassischer industrieller Gestaltung und oft anstößigen intern gemachten Werbeinhalten. DIY, sweatshop free, local employees. Ein Amerikanischer Traum.

 

Ehemalige Burberry Zentrale am Londoner Haymarket von 1913

Ehemalige Burberry Zentrale am Londoner Haymarket von 1913

Helveticanisierung der Modemarken

Im Zuge der von Apple’s Jonathan Ive inizierten, sogleich als willkommen erwiesenen, flachen Gestaltung für die Bildschirmausgabe, nimmt der Europäische Standard der serifenlosen Schrift überhand.

Derweilen ist hinlänglich bekannt, daß Serifenloseschrift für Europäer lesbarer ist als die, insbesondere von Briten und Amerikanern für lesbarer empfundenen Serifenschriften wie etwas die berühmte Times Roman.

Ive’s flaches Design erleichtert die Erstellung bei den Herstellern (Mediengestaltern, Entwicklern) und macht den Prozess der Erstellung effizienter, spart also Kosten. Benutzern kommt eine aufgeräumter wirkende Bildschirmdarstellung entgegen und erleichtert das Arbeiten am Bildschirm. Zwei Fliegen werden mit einer Klappe geschlagen, eine bezweckte Verbesserung, nichts geschieht ohne Grund.

Keiner der beiden Gründe scheint bei der jüngsten Helveticanisierung der Wortmarke eine Rolle gespielt zu haben. Ich denke Namen und Ansehen der Gestalter und was ihnen gerade in den Sinn kam, werden höher bewertet als ein für die eigentliche Arbeit ausschlaggebender Grund.

Eine junge Gefolgschaft wusste Vorgänger Christopher Bailey mit Burberry Acoustic, vornehm rezeptiv wie responsiv entgegenkommend in den Bann der Marke zu ziehen. Peter Saville gestaltete die Alben für New Order, Joy Division, Peter Gabriel aber eben auch Dream Academy, deren „Life in a Northern Town” ich schätzte. Ricardo Tisci ist ein bornierter Affe, wie er unter Designer häufig anzutreffen ist.

Gap Gläubige haben sich gegen eine Helveticanisierung ihrer Marke mit Erfolg gestemmt. Bei Burberry passiert das nicht, es liegt kein Grund vor bei den Anhängern, wie einst, bei dem von Bailey und Ahrend initiierten Bravourstück „The Art of Trench”.

David Griner überschreibt seinen Adweek Artikel zur Neugestaltung ihres Logos mit der von vielen Medien kopierten Entschuldigung, es sei nur 4 Wochen Zeit dafür gewesen: „Sieht aus wie mit Microsoft Word gemacht.”

Wie schon beim flachgetrettenen Schriftzug des Rolling Stone Magazin, lassen sich die erweiterten Lebensjahre der aussterbenden Stammkäufer eine Weile noch nutzen.

 

 

„Einmal im Leben.” Der Sonntagssong.

Strampeln

Strampeln zu neuen Ufern

The Decembrists | Once In My Life

Eine der ersten Hipster Bands, die ich als solche zu verstehen geglaubt, aufgegriffen habe und die mir seither grosses Vergnügen bereiten, sei es durch ihre Musik oder famose Selbstvermarktung. Meine Töchter mögen sie gleichermassen. Eine hat sie bereits in Portland, Oregon Life gesehen.

Seit kurzem will die Band von ihrem, von Colin Meloy so vorzüglich getragenem wie vorgetragenem Shanty hin zu Pop. Zu neuen Ufern.

I'll be your girlvon Evan Rytlewski auf englisch lesen

 

 

Komm‘ wie Du bist

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Balenciaga crocs

Balenciaga crocs (Source: Forbes

„Von einer hoch-niedrigen Zusammenarbeit zwischen Balenciaga und crocs hervorgebracht”

Susannah Breslin

 

Crocs Logo und Anspruch

Crocs Claim

Crocs‘ Anspruch „Come as you are‟ mag Nirwana’s „Come as you may‟ entlehnt und vermeintlichem Geschick, einer der goldenen Hippie Ära entsprungenen Hymne, „Be Yourself‟ von Graham Nash, ehedem Mitglied von Crosby Stills Nash and Young, den derzeit populären Tendenzen angepasst worden sein.

Derweilen bürdet sich keinerlei Zwang oder Anspruch hinter Nirwana’s freigeistigem, famosen Benimm-Empfehlungen Freiherr von Knigge’s sehr wohl entsprechendem „Come as you may‟ auf, während Crocs seinem so klugen wie plumpen Produkt entsprechend sich seinen, bereits durch die breite Öffentlichkeitswirkung, banal gewordenen Anspruch, mit einem ™ sichert.

In diesem Zusammenhang bemerkt der geneigte Leser womöglich, wie überraschend wenige aus seinem Freundes- und Bekanntenkreis ganz der/die Alte geblieben sind.

Ein guter Logo Test

Bitten Sie ein paar Bekannte Ihnen ein Logo zu nennen, das sie mögen. Mit sehr wenigen Ausnahmen, wählen ihre Bekannten ein Logo, das mit einer von ihnen bewunderten Marke verbunden ist. Weil das, was ein gutes Logo ausmacht, eine gute Marke ist. Also ein gutes Produkt, eine gute Dienstleistung1. Und nicht umgekehrt.

Seth Godin

Woher den Anspruch nehmen?

Ein guter Claim wurde in grauer Vorzeit womöglich zutreffender als Abbilder bezeichnet da er meist direkt unterhalb der Logotype zu finden ist. Bestenfalls liegt ihr Firmenclaim insofern in der Luft, als das er von Ihnen aufgegriffen, nicht aber erfunden gehört.

Die Spatzen pfeifen ihn vom Dach, es ist das, was Sie von Kunden am öftesten zu hören bekommen, wenn sie mit der Erfüllung ihres Anspruches, mit der Lösung ihres Problems rundum zufrieden sind. Kein aufbürdendes Drangsal wie heute oft üblich. Der Abbinder, Anspruch, Claim, Slogan wird ihnen von Dritten gegeben. Ihn sich aus den Rippen zu schneiden und andere damit zu bedrängen entspringt einem weit verbreiteten Missverhältnis des Marketing gegenüber der Öffentlichkeit und ist eine Unverschämtheit.

 

 

Nicht mein Auto

Not my car - Marc Johns

Zeichnung im Original ist hier erhältlich. Tinte & Wasserfarbe auf Aquarellpapier, 18 x 23 cm.


 

 

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