David Remnick spricht mit Malcolm Gladwell

David Remnick spricht mit Malcolm Gladwell

Wie viele Marketingpraktiker, bin ich mit der Steilvorlage „The Tipping Point” dazu gekommen, Malcom Gladwell’s Bestseller zu lesen. Derweilen komme ich von Jugendbuch-Serien wie Bomba, der Dschungleboy, Enith Blyton’s Abenteuer Serie oder Jules Verne’s Werke.

Mich beglückt die Vorlage, die Gladwell gleich einem Storyboard zu amerikanischen Krimiserien strukturiert liefert.

  1. Zuerst der Mord in grausigem Detail. Der Ausgang des Geschehens allem voran.
  2. Dann der Vorspann. Orientierung. Fanfare. Titel und Inhalt in ein, zwei Sätzen.
  3. Der Inhalt ein sozialer Knaller 1, aus Verhalten und begleitender Umstände.

Experience rich and theory poor

Autoren sind meist beschäftigt mit Charakter und Erzählung, also akademischem Handwerk. Erzählt wird aus reichhaltiger Erfahrung, dabei bleiben Theorien auf der Strecke.

Bei Gladwell ist alles auf einer soziologischen Theorie angelegt, auf einer womöglich abwegigen Ahnung des Autors, wie es dazu gekommen sein mag. Und das zu aller Erstaunen, wird umfassender und sauberer als sonstwo dargelegt, sorgt also für Spannung.

Waseca School Plot (John LaDue)

Waseca Schul-Komplott

Das amerikanische Phänomen der Schulschießereien, zu dem von einem einzigen Fokalpunkt, nämlich der Waffe, davon ausgegangen wird, daß deren Verfügbarkeit den Ausgang herbeiführt. Gelegenheit macht Diebe. Gut, einverstanden. Ein solch komplexes Verderbnis, ein anscheinend tief verwurzeltes soziales Phänomen, kann nur nicht auf eine Variable runter gedampft werden.

Ein dreistündiges Geständnis, des vor der Tat festgenommenen Jugendlichen John LaDue in Waseca, Minnesota offenbart erstaunliches. Es einfach nur wiederzugeben, aber ist zu faul.

Der ich bei zunehmender Altersmilde den besseren Mann, den besseren Mann sein lasse finde ich bei Gladwell Antworten, die ich bei konventionellen Autoren vermisse. Freilich beantwortet auch Gladwell nicht explizit jede meiner Fragen, also lese ich auch sein nächstes Buch und hör‘ mir den nächsten Podcast an.

Menschen suchen nach Orientierung und Antworten von Autoren und finden weniger wenn überhaupt etwas davon bei klassischen Autoren. Gut für Gladwell. Nicht gut für alle anderen.

Quelltext vom New Yorker Magazinauf englisch lesen

 

 

  1. Bernd Tischer entlehnt