You rock! Freiwillige Selbstkontrolle 10 Jahre Rote Sonne, München

„You rock!“

 

 

Peter Wacha (Upstart), Gründer der Roten Sonne u. Thomas Meinecke mit Wilfried Petzi

Upstart (Peter Wacha, Geschäftsführer, Mitbegründer der Roten Sonne) u. Thomas Meinecke mit Wilfried Petzi

 

 

Carl Oesterhelt und Justin Hoffmann

Carl Oesterhelt und Justin Hoffmann
Alle Fotos: ©Petra Hammerstein

 

 

10 Jahre rote Sonne

Upstart alias Peter Wacha feiert im gut besuchten Haus. Auf dem Weg dorthin fällt mir erstmals auf, dass Upstart umgekehrt Start-Up heisst und allen ein Vorbild ist, auch in der neuen Welt. Das prickelt wie ein Brausebonbon.

 

 

SMS

Schamoni Musik Service, ein Label des Sohnes von Filmemacher Peter Schamoni legt vor mit der Formation: Belp, Protein, Pico, Leroy & Tomkong.

Mein grosser Freund Meinecke meint erst, das sei gewissermassen Lass Loss / Huba Huba Hopp heute, die beiden famosen Bands um Freund Frank Sauer. Ich bin überrascht, Jazz in der neuen Welt. Herbie Hancock, Les McCann fusioniert mit dem Gescheppere der Einstürzenden Neubauten und beruhigt sich wieder mit Pink Floyd. Das Repertoire erschöpft sich im ersten Stück, immer wieder aber machen gelungene Passagen aufhorchen. Mir stockt der Atem bei dem Gedanken, ob nicht auch das Internet, als konsequenter Remix empfunden, auch so rüber kommt.

 

 

 

 

 

 

FSK

Freiwillige Selbstkontrolle, Heimspiel für den FC Bayern des Feuilletons. Ich verliebe mich sogleich in Michaela Melián, wie es bei jeder freudigen Begegnung mit dem so gesunden Mädchen und ihren hübsch geröteten Wangen auch immer schon geschah. Thomas will, dass ihre Stimme gehört wird. Kurze Unterbrechung.

Es kommt noch zu einer weiteren Unterbrechung, nämlich um Thomas‘ verstimmte Gitarre zu stimmen für die so eingängigen, bestimmenden, genialen Soloakkorde in „Lady Chatterly”.

Aber von vorne…

Es beginnt mit einem Stück, das direkt anschliesst an das Gewummere der Vorband und nicht wie erwartet assoziativ wie bei Roxy Music sich auflöst, aber das Sklavenschiff antreibt. Die Auflösung in Roxy Musik geschieht im zweiten Stück.

Ich vergesse das Publikum zu beobachten und lausche den perfekt eingebrachten Glockentönen ohne zu wissen, woher die wohl kommen könnten. Das weiss Petra sofort:

„Es ist Justin mit dem Synthesizer.”

Er hat schon immer gewagtes auf verschiedenen Instrumenten hervorgebracht.

Es ist sehr laut.

 

 

YOU ROCK!

Was ich erlebe ist ein vollwertiges Musikerlebnis, auch wenn Thomas Meinecke in seiner Ansage darauf besteht, das es sich hier um eine Vorlesung handelt.

Ein Debüt für mich, der ich auf meinen Lebensweg immer wieder vom jeweiligen FSK Konzert begleitet wurde. Ich liebe ja die wehmütige deutsche Sehnsucht. Sie klingt in so manchem FSK Lied an und unterliegt auch der urtümlichen deutschen Welle.

Mich rührt die Empathie im von Melián vorgetragenen Songtext, vom Mädchen, das mit dem Oberkörper eines Buben aufwächst, die der Resilienz förderlichen, sozial guten Freundschaftsbilder, die von der Band ausgehen und viele hier ein Leben lang begleiteten.

Freundschaftsbilder waren auch dem Erfolg der Beatles zuträglicher als es Beobachtern aufgefallen wäre. Meine Töchter lassen FSK als Hipster Musik durchgehen und der Vergleich zu der ähnlich schlauen US Formation „the Decemberists” drängt sich auf, mit dem Unterschied, keine Shanties dafür Polka. Auch muss Colin Meloy für ein Auskommen der Decemberists und deren Familien aufkommen, während FSK Mitglieder jeder für sich erfolgreiche Karrieren aufweisen können.

Piaristengasse in Wien, Ecke Delancey/Houston, Soho New York, als FSK mit einem grossen Rolling Stones Tourbus und Nanny für Tochter Juno um die Ecke bogen und wir lachen mussten über Thomas‘ freudigen Kommentar, dass ja doch alles Rock ’n‘ Roll sei.

Immer auch geschah das in unmittelbarer Nähe meiner jeweiligen Wohnung.

Gelächter aus bester Münchner Schule, zu haben mit Wilfrid Petzi, der uns vom anderen Ende der Bühne aus angrinst und eine sagenhafte Ludwig Thoma Kurzgeschichte von Sohn Moritz auf die Frage „wie weiter” parat hatte.

Mit ihm stehe ich hernach vor der leeren Bühne und dem sicherlich besten Foto, das Petra nicht gemacht hat, nämlich einer Panoramaaufnahme der leeren Bühne nach dem Konzert mit den wirklich sehr schönen Instrumenten und dem altrosa glitzernden Schlagzeug, das eigentlich gold ist und den Showband Charakter der Band indiziert.

Schlagzeuger Carl Oesterhelt, der mit Michaela ein Konzert im Frankfurter Mouson Turm gab und ich ihn bei strahlender Sonne auf der Schweizer Strasse kennenlernte, ist famoser Schlagzeuger mit erstaunlich wohlklingedem Instrument.

Oh und Thomas verheddert sich mit „neues Altes” und „altes Neues”, während einer nachdenklich wirkenden Ansage in etwas, das einem Mega-Trend gleich in der Luft liegt und gleichsam wie ein leiser Furz in einem engen Aufzug populistisch unter die Kategorie Mode & Verzweiflung fällt, aber nicht liegen bleibt. Petra nahm es mit ihren beeindruckenden literarischen Einblicken sofort auf und lieferte den Marketing Pitch unter dem Einfluss von Vodka noch im Taxi und zu Gunsten meiner späten Resozialisierung mit kristallener Klarheit.

 

Vignette

 

Moritz, Petzi’s Sohn wurde nach dem ersten Schultag mit Wundertüte von einem Passanten gefragt wie’s war: „Musst‘ morgen wieder hin?”.

Das beantwortet die Frage „wie weiter” mit schallendem Gelächter und Tränen in den Augen.