Das ist keine Übung_590
Dies ist keine Übung
Faschismus ist eine Epidemie
Wenn der Aufstieg von Donald Trump nicht schon genug war, dann sollte der Mord eines Extremisten an der britischen Abgeordneten Jo Cox ein Weckruf sein.

Dies ist keine Übung. Dies ist der faschistische Moment. Dies, hier und jetzt, ist ein Wendepunkt. Wenn wir es jetzt nicht besiegen, wird es sich wie eine große Epidemie verbreiten.

Also, wie es stoppen?

Lassen Sie uns erst einen Blick darauf werfen. Eine neue Welle des Faschismus breitet sich weltweit aus. Zum ersten Mal seit dem letzten Mal, erleben wir wie ultra rechte Flügel nationalistischer Bewegungen sich in fast jeder reichen Nation (und vielen Armen) zu realer politische Macht katapultieren.

Ich komme zurück nach London. Ich schaue Nachrichten. Bald jede Woche wird Nigel Farage massiv Sendezeit eingeräumt. Er ist der Führer einer Partei, die nur einen Schritt von der realen Welt des Faschismus entfernt ist. Eine Partei, die jetzt ein alltägliches Merkmal der britischen Politik, dem Leben, der Kultur ist.

Es ist Faschismus in allem, bis auf die Praxis. Wie bei allen „extrem rechten nationalistischen“ Parteien. In welcher Weise? In drei Möglichkeiten. Einer, sie vergeben bedingte Staatsbürgerschaft (Ihr „Erbe“), wodurch die Idee der konstitutionellen Demokratie abgeschafft wird. Zwei, würden sie schwarze Listen ausstellen (wie Trump es tut) um bedingte Staatsbürgerschaft zu erzwingen, wodurch effektiv die Rechtsstaatlichkeit am Ende wäre, und die Schaffung von echten Stasiesquen Polizeistaaten. Drei somit das Wachstum solcher Parteien normalisiert unweigerlich ungesetzliche Gewalt und Unterdrückung, das ist alles, was Tyrannei wirklich ist.

Lassen Sie uns jetzt das Blatt nicht länger vor den Mund nehmen. Dies ist der Faschismus unter anderen Namen. In Deutschland sagen sie populistisch, wenn sie faschistisch meinen. Wir sind zu höflich und gut und vielleicht zu leichtgläubig es das zu nennen, was es wirklich einfach, und selbstverständlich ist.

So wie es stoppen? Sie denken wahrscheinlich: wir müssen nur die bösen Jungs verurteilen, so dass sie nicht gewählt werden, richtig?
Falsch.

Das wäre die Behandlung der Symptome. Anstatt die Krankheit zu heilen.

Wenn Volkswirtschaften stagnieren, implodiert die Mitte. Die Leute, die bislang für Stabilität und den Komfort sorgten, bekommen Angst. Sie werden wütend und ängstlich. Jetzt ensteht der Nationalismus.

Wenn es mit der Stagnation so weiter geht, passiert schlimmeres. Die Mitte implodiert, die Reichen werden reicher. Jetzt erzürnt sich der Mittelstand. Der Mittelstand braucht einen Sündenbock. Es ist immer der „andere“. Juden, Muslime, Homosexuelle, Zigeuner. Sie werden für die Vergiftung verantwortlich gemacht.

Und so nimmt die Gewalt ihren Anfang.

Lassen Sie uns das alles für eine Sekunde klar überdenken.

Die unmittelbare Ursache für den Faschismus sind Demagogen, Trumps und Farages. Aber die entscheidende Ursache ist die Implosion der Mitte.

Es ist einfach, Trump zu verurteilen. Es ist viel schwieriger, tatsächlich zu versuchen, die verlassene Mitte wiederzubeleben. Wir haben viele Leute, die das erste tun. Aber kaum einer will das letztere tun.

Ohne die verlassene Mitte wiederzubeleben, auch wenn dieser Demagoge, dieser Trump oder Farage, besiegt ist, na und? Morgen wird es weitere zehn geben. Schlimmere. Weil die Wut der Verlassenen nur gewachsen ist.

Wir behandeln kaum die Symptome. Schon jetzt haben wir Angst, das was in der Welt aufkommt „Faschismus” zu nennen.

Wir behandeln die Krankheit überhaupt nicht. Es gibt keinen Plan, wie auch immer, die verlassene Mitte wieder zu beleben. Kein Führer ist bereit, sich mit diesem Projekt zu beschäftigen (Von Bernie Sanders abgesehen, der ausgerechnet von Präsident Obama nicht nominiert wurde—Anmerkung des Übersetzers)

Das ist die eigentliche Ursache des Faschismus.

Es sei denn, wir kultivieren Führer, die mit Mut, Weisheit und Mitgefühl es versuchen, dann wird dieses Jahrzehnt weiter in die Dunkelheit tauchen.

Umair
London
Juni 2016Quelltext von Umair Hagueauf englisch lesen

 

 

Faschismus ist eine Epidemie