Eine Visitenkarte im Netz

12. April 2016

 

 

 

 


Zeit für Geschichten ist vorbei1
„Wenn Sie 2016 einen Blog beginnen, tun Sie’s nicht!”2


Authentizität ist gestorben3, da Marken mit Minimalismus ihrer Fertigkeit und Qualität Ausdruck verleihen.


Es gibt zu viele Anzeichen dafür, dass es mit den Blogs, wie wir sie kennen, zu Ende geht.


In einem Interview erfährt Steven Levy von Steve Case, dem ehemaligen CEO von AOL, dass die 3. Welle der digitalen Entwicklung mit einer weissen Gischt an Enttäuschungen anrollt, die soziale Revolution endet und wir bei Umständen ankommen, die wir mit Hilfe aufkommender Technologien zu verlassen hofften.


Soziale Ungerechtigkeit, ökonomischer To­ta­li­ta­ris­mus feiern ein Comeback.


Egal, hier geht es um Ihr Geschäftsmodell
und meins.

Was tun inmitten einer Diarrhoe verschiedenen Ursprungs mit einem kleinen Unternehmen, oder den eigenen Unternehmungen?

 

 

 

 

Minimieren, die viel geteilte Antwort als Universallösung

Die viel geteilte Antwort um aktuelle Probleme zu beheben, lautet: minimieren. Sie schränken sich mit ihrem Angebot ein auf das wofür Nachfrage bereits besteht und sie es besser können als alle anderen. In ihrer Unternehmenskommunikation streichen Sie alles nach dem Komma. Dadurch erhalten Sie mehr Aufmerksamkeit auf weniger Worte. Alles nach dem Komma sendet die Kundschaft direkt zum Wettbewerb.

Beispielhafte „Über Mich“ Rubrik einer Webseite für Freiberufler:

 

 

Geschicktes Beispiel für „Meine Arbeit” von Andrew Ambrosino.

Paradebeispiel für „Meine Arbeit” von Andrew Ambrosino.

 

 

 

„Meine Arbeit” als Orientierung für ein Prahlblatt

Sie wollen für Ihr Unternehmen oder für sich einen umfassenden Eindruck schaffen. Die Webseite von Andrew Ambrosino demonstriert wie das geht, indem er dem Besucher die Information in kleinen Häppchen vorlegt.
So war es Sitte in den ersten beiden Technologiewellen.
Eine Unsitte, wenn es ohne Respekt für den eminenten Zeitmangel der Besucher oder aus Mangel an Konzentration geschieht. Ambrosino tut es zurückhaltend elegant und effizient.
Ohne die aufgeräumte Struktur von Eleganz & Effizienz verkommt eine Webseite rasch zu einem unaufgeräumten Bauchladen, der alles für den Leser sein will.
Und schon ist der Wust wieder da, den Sie entsorgen wollten.
Den gleich starken oder stärkeren Gegentrend zu schön ordentlich, belegt Jonas Downey mit seiner Vorliebe für hässliche, unordentliche Schnittstellen4, anhand von Beispielen wie Craig’s List, Adobe Photo Shop’s Nutzeroberfläche und Facebook.
Mit ständig zunehmender Reife der Besucher, haben Besucher die stufenweise Darlegung von Information als Taktik, sie möglichst lange auf der Seite halten zu wollen längst durchschaut. Sie bitten diese altbackene Verweildauertaktik zu unterlassen und gleich zur Sache zu kommen.

 

 

 

Die „Dritte Welle”5
der Internet Technologie

1. Welle
Das Hardware und Software Fundament für eine verbundene Welt wurde erstellt.
2. Welle
Dienstleistungfirmen wie Google und Sozialmedienfirmen wie Facebook wurden dem Internet als zusätzliche Ebene auferlegt.
3. Welle
Alle Unternehmen sind Internet betriebene Technologiefirmen und alle Neuankömmlinge müssen mit diesen Riesen wetteifern.
Die Rückkehr zum Verdrängungsmarkt.

 

 

 

 

Mit einer Visitenkarte im Netz, statisch wie Drucksachen, zurück zu Web 1.0
Wie soll das in der Gischt der dritten Welle Ihrem Unternehmen helfen?

Eine auf die 3. Welle vorbereitende Tendenz entspricht das Angebot vom sogenannten Einseiter. Mein Surferfreund Rob Hope, erfreute sich in Kapstadt mit über einer Millionen Interessenten für sein „One Page Love” enormer Beliebtheit. Gleichsam ein Indikator für die schwächende Popularität von Blogs und Webseiten.
Falls der Inhalt jemals ein König war, dann ist sein Kontext der alles bestimmende Kaiser.
Einseitige Webseiten oder mobile Anwendungen, die sich auf den dominierenden Nutzen von Handys und sich auf nur das Nötigste kaprizieren. Einmal ins Netz gestellt ist keine Aktualisierung notwendig. Sie sind statisch wie Drucksachen. Eine Visitenkarte im Netz.
Ist das nicht wie es zu Zeiten von Web 1.0 war? Ganz genau, in der ersten Welle wollten alle Unternehmen eine Webseite haben. Zu ihrer Handhabung aber fehlte die Motivation. Auf Grund der bahnbrechenden Neuheit mangelte es in der ersten Welle nicht an neugierigen Besuchern. Bereits in der zweiten Welle aber generierten nicht die Webseiten den Besucherzustrom aber zusätzliche Tätigkeiten der Betreiber in den sogenannten Sozialmedien, die in Folge ihrer Anstrengungen Besucher auf die Webseiten lockte.
Gareth Key’s „Idee die Tut”6 schaffte es nur bedingt über den Atlantik wenn auch einigen dt. Unternehmen die Expansion mit Hilfe früher Aggregatoren gelang (ZVAB, SchülerVZ, Zalando mit scharfem Z, etc.). Umso genauer die Geschäftsmodelle der Epigonen dem US Vorbild gleichen, umso größer ihr Erfolg.

 

 

3 Seiten Arbeitsproben

3 Seiten Arbeitsproben

Prahlblatt 6 Seiten

6 Seiten Prahlblatt

 

Aus Entgegenkommen, haben wir Prahlblatt der Konvention folgend, in Arbeitsproben umbenannt.

 

 

3 oder 6 Seiten?
Für welches Prahlblatt wird ein Headhunter sich entscheiden?

Von Ausnahmen abgesehen, ist Deutschland kein Weltmeister im digitalen. Der hierzulande gebräuchliche Standard entspricht viel eher der Vorliebe eines Jonas Downey für hässliche, unordentliche Schnittstellen.
Länge läuft. Bereits in der Volksschule spekulieren Schüler auf bessere Noten durch längere Aufsätze. In der Königsklasse der Werbung, ist der 15 Sekunder bei Marken weniger beliebt, obdoch beim Publikum die Chance besteht, daß es sich den Markennamen merken kann, der ihm bei 30 Sekunden storytelling verloren geht.

 

 

Vignette

 

 


Einseiter

Einseiter

Bis auf weiteres ist der Einseiter, eine statische Visitenkarte im Netz ein gutes Investment. Der enorme Zeitaufwand einer jeden, anders gearteten Webseite wird effektiver genutzt für spontane Aktivitäten per Handy. Knöpfe drücken so viele und so schnell es geht.

 

 

 

 

  1. „Story time’s over: Marketers are now world builders” von Ian Lurie.
    Marketere kontrollieren nicht länger wann, wie und wo unser Publikum seine Information bekommt. Also ist die Zeit für Geschichten erzählen vorbei. Wir sind jetzt sogar noch cooler: Wir erstellen Welten und stellen Maschinen her, damit unser Publikum ihre eigenen Geschichten erzählen.
  2. Gina Bianchini auf LinkedIn
  3. Authenticity is dead as brands go minimalist to express their craft and quality by Bulletproof
  4. Why I love ugly, messy interfaces — and you probably do too
  5. Steve Case ist optimistisch über die „Dritte Welle” der Technologie, wenn auch sie eine Riesenenttäuschung darstellt.
  6. 2010 4A’s Transformers Program, Gareth Kay, Director of Digital Strategy, Goodby, Silverstein and Partners