Duzen vs. Siezen im Apple Store

AP / Hergé / Moulinsart


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Neulich,
im Münchener Apple Store

Meine Jugendfreundin und zukünftige Frau, Petra Hammerstein und ich hatten einen One to One-Termin im Apple Store, wir liessen uns bezüglich Bento für ihr Familienunternehmen beraten. Dabei fiel mir auf, dass die jugendfrische Freundin gesiezt wurde, während ein altgedienter Bayer in meinem Alter von einem jungen Genius Berater lustig geduzt wurde und sich dies auch ohne Argwohn gefallen lies. Mir gefiel, das sich gewöhnliche Bayern im Apple Store unter die, von Flaggschiff-Läden her gewohnten, Besucher aus Studentinnen und Hipstern mischten.

 

Deutschland's erstes Apple Store in München

Deutschland's erstes Apple Store in München

 

Das „Du‟ ist offizieller Bestandteil der Apple Firmenkultur und gehört zum Kern der angenommenen und erstrebten Apple Markenwahrheiten, nämlich der, sich speziell im anders denken, immer auch als zugänglich zu erweisen. Auf Inkonsistenz was die Firmenliteratur angeht, verweist ein Beitrag von MacMacken hier zu lesen. Apple Store Mitarbeiter entscheiden jeweils nach Ermessen der Situation ob sie nun siezen oder duzen wollen. Jugendliche bevorzugen es gerade heute wieder gesiezt zu werden, während es ältere Semester geniessen per Du in den Kreis der vornehmlich aber nicht ausschliesslich Jugendlichen hinter der Genius Bar aufgenommen zu werden.

 

Das „Du‟ zurückpfeifen?

Das „Du‟ zurückpfeifen?

 

Alexander Wipf, Chefstratege von Leo Burnett empfindet den von Apple eingeschlagenen Kurs zum Deutschlandweiten Du als etwas das die Marke nicht nötig habe, als ein das Gegenteil bewirkendes Anbiedern und fühlt sich nicht für ernst genommen, wenn er etwa beim Vorbringen einer etwaigen Beschwerde geduzt würde. Manche empfinden das duzen als ebenso verlogen als wie das siezen, Zynismus dann hat noch keinen so recht weiter gebracht…

 

Schulz und Schulze

Bild zum selber ausmahlen

 

 

 


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Wir wollen uns nicht unnötig zu nahe treten und blieben beim Siezen, würde es die Sache nicht unnötig komplizieren. Auf der einen Seite ist keine Vertraulichkeit vor Publikum erwünscht, zum anderen gibt es die Solidarität unter den Kollegen.

 

Ich liegt mir fern meine Schwiegermama in Spee zu duzen, lieber besuchte ich Abendkurse um ihr zu Gefallen einmal im bayerischen Dialekt antworten zu können. Professor Dr. Peter Kruse, der mir gänzlich unbekannt ist, dagegen würde ich gerne ungeniert duzen. Dabei schätze ich sie beide, jeweils für was sie sind oder genauer für was ich die Beiden halte. Eine Beschäftigung mit Menschen von denen nicht viel zu halten ist, scheint unergiebig, ihnen schenke ich geringe Beachtung. Die Unfehlbarkeit unserer unmittelbaren Entscheidungen, auch der, wem oder was wir Beachtung schenken und wem nicht, wurden von Malcolm Gladwell in Blink verdeutlicht.

 

Den meiner Zielorientierung entgegen gesetzten Verlautbarungen aber gilt viel Interesse, ich könnte etwas lernen und wir sind allem voran Lernmaschinen, höchst begierig uns in unserem Selbstverständnis voranzubringen und Neues zu entdecken.

 

Tatsächlich verkümmern wir, wenn wir dieser, unserer notwendigen Überlebensstrategie nicht nachkommen und uns nicht weiterbilden. Es macht uns krank nicht auf neue Gedanken zu kommen.

 

Du Es und Ich. Was das alles soll weiss ich auch nicht.
—Das gezeichnete Ich

 

In einer transparenten Welt fördert das „Du‟ ein Miteinander auf Augenhöhe

Das vom Apple Store anempfohlene „Du‟ im Geschäftsgebaren fördert was das „Sie‟ nicht leisten kann:

  1. Miteinander
  2. Kollegialität
  3. Direktheit
  4. angewandte Demonkratie
  5. Den Rückgang von Vorbehalten
  6. Suggerierte Nähe, optionale Verbundenheit
  7. Den Zusammenbruch unmassgeblicher Authorität
  8. Den Abstieg vom hohen Ross

 

Wir befinden uns nun einmal inmitten der Transformation von altgewohntem, vertrauten zu etwas ganz neuem, völlig unbekanntem. Es treibt seltsame Blüten zutage und wer sich nicht wandelt sitz bald auf einem fremden Stern. Das Einreissen sogenannter Mauern ist nicht länger zweckmässig, die alten Strukturen und Kontrollinstanzen bröseln und schwinden ganz von alleine.

 

Kleinigkeiten wie etwa das von Apple im Geschäftsbereich anberaumte „Du‟ könnte uns den Weg durch die Transformation einfacher gestalten, zumal was die Befindlichkeit darüber angeht. Bei Niko Lumma kam die Befürchtung auf es gehe beim etwaigen Protest nicht mehr um Leben oder Tod, Arbeit oder Zukunft. Es gehe um das Infragestellen von allem, was einem irgendwie nicht in den Kram passt. Weil man bei Annahmen über die Zukunft nicht einer Meinung ist und nicht daran glaubt, daß Veränderung etwas Positives sein könnte. Protest ist dann auch nicht mehr was er einmal war. Niko hat das Gefühl, das Protest reaktionär wird. Hier zu lesen. Wer gestern Fernsehen geschaut hat, muss den plötzlich aufkommende Tendenz bemerkt haben, die drei Polit-Musketiere [Merkel – Westerwelle – Seehofer] ganz einfach gegen einen von Gutenberg einzutauschen et voilá.
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