Einem Forbes Artikel von Micha Kaufman entllehnt. Bildquelle: Merry Farmer.

 

 

20 JAHRE INTERNET

 

 

Die Internet-Revolution ist die neue, industrielle Revolution

Mitte der Neunziger Jahre wurde ARPANet von einem militärischen Sicherheitsnetz in das zivile Internet tranformiert, dass heute einen integrierten Teil unseres Lebens ausmacht.

Der technologische Wandel brachte es zu gesellschaftlichen Wandel in epischem Ausmass.

Vor vierzig Jahren, war der Beschäftigungspfad bestimmt von Geburt und Ausbildung, oftmals mit Festlegung auf eine Beschäftigungsstädte bis hin zur Rente.

Heute sieht kaum noch jemand eine taugliche Möglichkeit in dergleichen.

Erfolg wird nicht länger ausschliesslich bestimmt von der richtigen Ausbildung, dem lückenlosen Lebenslauf, dem Alter und Hintergrund. Jugendliche im Alter von 12 kodieren ihre eigenen Websites, produzieren ihre eigenen Filme und bilden ihr eigenes Netzwerk in den Sozialmedien. Bis sie erwachsen sind, wird diese Onlinegeneration Praxiserfahrung gesammelt haben, mit der das formale Erziehungswesen nicht konkurrieren kann.

Das Internet zieht eine Revolution nach sich. Zugriff zu den Informationen, die mit globalem Angebot und Nachfrage kombiniert werden, reformieren die etablierten Konventionen und zerstören die Definitionen der alten Welt.

 

 

Cityscape by Laura Barnard.

 

 

Woher Micha Kaufmann mit seinen Gedanken kommt, wird rasch verständlich mit dem Wort ‚lokal‘. Einst war damit die Nachbarschaft gemeint in die wir hineingeboren waren, jetzt ist überall lokal. Egal wo. Dienstleistungen und Produktionsstädte werden ausgelagert in Schwellenländer von China bis Brasilien. Wo unsere Reichweite einst von physikalischen Grenzen bestimmt war, ist heute bald jeder und alles einen digitalen Handschlag entfernt.

Traditionelle, etablierte Arbeitsplatzkonventionen – von festen Arbeitszeiten bis zu den Arbeitsorten – fliegen zum Fenster hinaus. Erfolg wurde einst definiert von Anzügen und ‚9 to 5‘ Arbeitszeiten, jetzt lässt sich das im Schlafanzug erledigen. Erfolg erhält eine neue, dem Einzelnen angemessene Bedeutung. Gerade noch hiess es, mit Max Mustermann und der Lebensqualität der Nachbarn mithalten können, jetzt wird Erfolg von persönlichen, intimen Entscheidungen geprägt, darüber wie jeder sein Leben leben will. Freilich gibt es noch solche, die Erfolg an Wohlstand messen, immer mehr Leute aber messen Erfolg mit eigenem Maß – Glück, Freiheit, Gesundheit, mehr Zeit für Reisen und Familie.

Miteinander verbundene Gesellschaften sind der globale Motor, der Leute von Angestellten zu Kleinunternehmern wandelt. Jedem ist nun die Möglichkeit gegeben ihre Fähigkeiten zu Geld zu machen, vom Auszubildenden der nach der Ausbildung keine Stelle findet zu den über 45-Jährigen, die ihre Hobbys zu Geschäftsgründungen ausbauen, da die alte Welt keinen Platz mehr für sie hat. Der Wandel betrifft jung wie alt, der jungendliche Jan-Henrik Scheper-Stuke, Junior-Chef der Krawattenmanufaktur Edsor Kronen, verlangt uns gerade Bewunderung ab, seine Krawatten liegen in den Schränken von Präsident Barack Obama, Klaus Wowereit und Brad Pitt und wir werden von Senioren hören, die mit 80 Unternehmen gründen und der Altersarmut von der Klinge springen.

 

Bildquelle: Sidereal unter Creative Commons Lizenz

 

Jetzt, da wir uns in einem Jahrhundert bewegen, in dem jeder eine mehr oder minder wertvolle „Marke im werden‟ ist, verstehen wir so langsam, dass die Internet Revolution tatsächlich die industrielle Revolution unserer Zeit ist. Es ist eine auswuchernde Sozialunterbrechung, die eine Flut an neuen Erfindungen und wissenschaftlichen Fortschritten mit sich bringt aber auch unsere Arbeitsmethoden und uns als Arbeiter umstürzt.

Es ist die Wiederkehr und Rückbesinnung auf persönliche Entscheidungen und individuelle Definition der Werte, während wir uns zunehmend selbst definieren durch unsere Arbeit anstatt definiert zu werden von verfügbarer Arbeit.