Die Alten haben sich mit dem digitalen Zeitalter angefreundet, sagt Amelia Torode, gerade so wie ihre Enkelkinder. Es sind die Fachleute mittleren Alters, die es fürchten und zurückweisen. Rate mal? Es sind die Leute, die in den Werbeagenturen das Sagen haben und mit Arbeit für Werbegenturen ihr Brot verdienen. Sie widersetzen sich dem Digitalen aus einem pragmatischen Grund, ihr Einkommen ist gesichert mit dem Verkauf von Lösungen aus der alten Welt. Wozu also die Mühe, der Branche Magie zurückzubringen, selbst auf Kosten der Führungsposition, die lange schon auf dem Spiel steht? Ein Grund auch warum dem Verbraucher schwer fällt, Politik und Wirtschaft noch Glauben zu schenken.
 
Design Nation
 
Es war zu erwarten, sagt selbst die dt. Fachpresse. Nun hat die dt. Fachpresse nichts bewegendes unternommen, um der Branche oder sich selbst zu helfen, transformativ zu sein. Ich schalte CNN ein, um über Wirtschaft und Werbung auf dem Laufenden gehalten zu werden, besuche advertisingage.com, adweek.com, fastcompany.com und orientiere mich mit einer Auswahl an Blogs befreundeter Werbepraktiker. Selbst Brand Eins, auf das ich zu hoffen gewagt hatte, hält sich bedeckt, wenn auch ein Schwerpunktthema es ist, was uns treibt.
 
Zurück fallen
 
Beim Festival in Cannes behaupted sich Deutschland seit Jahren als Design Nation und es mag Wahres an dem sein, was mein Freund Gogo bemerkte. Er vertraut darauf, dass es Mittelmaß ist, was Deutschland herausragen macht: „Wir sammeln uns in der Mitte wie es gerade geht, gerade so wie ein Schwarm Heringe es tut bei dem Versuch Räuber abzuwehren.‟ MPG Chefin Maria-Luisa Francoli, liess vor kurzem die WuV Leser wissen, dass zukünftig 70% der Medienausgaben in digitale Kanäle investiert werden. Die Gedanken mögen nun dorthin gehen, dass wenig Hoffnung bestünde, für die rigide, deutsche Werbebranche. Falsch gedacht. Deutschland war schon immer, geradezu lächerlich langsam, bei der Adaption von Änderungen der schwerwiegenden Art. Das Wirtschaftswunder nach dem Weltkrieg ist gutes Beispiel für die Leistungen, zu denen das Land fähig ist, wenn nur die Hölle erstmal ausgebrochen ist. Werbeagenturen gross oder klein, vernetzt oder Eigentümer geführt, sehen keinen Grund zu Besorgnis. Deutschland holt Gold in Cannes und dt. Agenturen verdienen gutes Geld mit dem Handel von nicht-dynamischen, nicht-sozialisierbaren Websites, die für dynamisch verkauft werden, an Markenkunden, die selbst langsam damit waren in der neuen Welt anzukommen. Ein bizarres Gaunerstück immerhin.

 

  • Meet the wired retired—Amelia Torode, Spectator.co.uk
  •