Denkpause bei deutschen Agenturen

Gorch Fock © Ricarda Schoenbrodt. Alle Rechte vorbehalten


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Welch glücklicher Zufall
Alles ist bestens. Das Geschäft blüht, die Wirtschaft hat sich erholt. Die Arbeitslosenzahlen sind auf dem Tiefststand. Deutsche Werbung kann sich sehen lassen im Europäischen Wettbewerb. Das Fiasko in der deutschen Automobilindustrie hat sich in Luft aufgelöst. Es rollen nicht mehr genügend deutsche Automobile vom Förderband um der Nachfrage aus aller Welt gerecht zu werden.

 

Hat sich demnach die abwartende Haltung bei deutschen Werbeagenturen bezahlt gemacht, während aus der US Blogosphäre Tadel darüber erklingt, gebräuchliche, gelernte Begriffe wie auch den Überbegriff Werbung vorschnell ad Absurdum geführt und gegen neue, ungewohnte Begriffe eingetauscht zu haben?

 

Dynamik von einst

Denkanstöße bei voller Fahrt

 

Entsprang es einer Laune von Nico Lumma am 11. Januar die Debatten zum Thema Internet als Hilflosigkeit seitens Politik und WIrtschaft identifizieren zu wollen? Während es gar keinen Handlungsbedarf gibt und die Deutsche Werbung Triumphe in Cannes, wie auch im eigenen Land feiert? Noch dazu jetzt, da kurzweilige, von DDB mit Fun Theory erzielte Erfolge, mit unkonventioneller Zuhilfenahme der Sozialmedien, bereits hinter konventioneller Werbung seitens JvM auf den zweiten Platz zurückgefallen sind?

 

Sozial?
In der Zeit, in der sich, inklusive meiner selbst, die deutsche Blogosphäre ausgiebig mit den Möglichkeiten der Sozialmedien befasst hat, ist Zalando uns als ein brillantes Werbefilmchen von JvM weit besser im Gedächtnis geblieben als alle gemachten Entdeckungen in den Sozialnetzen. Ich erliege auch dem Verdacht, dass das Fernsehen mehr zu ‚sozial‛ beiträgt als das ‚irgendwie unreine Intenet‛¹, mitsamt der Stimmkraft der Sozialmedien es vermag. Das Bedeutsame an Social Media ist auch nicht Media aber Social (von lat. socius‚ gemeinsam, verbunden, verbündet‘) und das führt uns direkt zu der bereits von Leo Burnett vertretenen Erkenntnis, dass was den Leuten hilft auch gut ist für’s Geschäft. Der Zalando Spot erkennt die Magie der Soziologie und hält uns einen Spiegel vor. Wir erkennen uns wieder und finden es grossartig. Geradeso führen uns Sendungen wie Dschungel Camp oder DSDS die schauerlichen Abgründe unseres Gemeinwesens vor Augen, auf dass ein jeder von uns einmal Schutz suchen werde im Licht der Öffentlichkeit. Ausgerechnet.

Castaways & Cutouts, The Decemberists

Castaways & Cutouts
The Decemberists


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Die Aufgabe einer Werbeagentur ist vergleichsweise einfach, es gilt die Umsätze der betreuten Unternehmen zu steigern. Damit ein Produkt in der post-digitalen Zeit erfolgreich ist, soll die Vermarktung bestenfalls Teil des Produktes sein: das Produkt ist die Vermarktung. Erfolgreiche Beispiele hierzu liefert Apple’s iPhone, Starbuck Kaffee, die Braun Volkszahnbürste, Wii und MyMuesli. Alles was den Leuten hilft, hilft auch dem Geschäft.

 

Serendipität
In Gabrielle Pauli’s Worten: „Es ist gut ein Ziel zu haben, der Weg dahin ergibt sich‟. Ihr männliches Gegenüber will dann wissen, wie genau sich der Weg ergibt. Welche Schritte dazu notwendig sind? Der Weg aber soll ein offener sein und dem Wegbegeher die Möglichkeit bieten, sich auf Ereignisse entlang des Weges flexibel und spontan einstellen zu können. Eine vorzeitig festgelegte Abfolge der Schritte würde die Empfänglichkeit und demzufolge die notwendige Flexibilität und Spontanität, um auf solche Ereignisse auch entsprechend reagieren zu können, empfindlich beeinträchtigen. Manager und Verwalter heutiger Agenturen bestehen auf die Festlegung einer Abfolge gemäß ihrer gelernten Organisationsschemen. Also zurück zu der eingangs erwähnten, von Nico Lumma identifizierten, Hilflosigkeit mit Digitalem auf Seiten der Politik und Wirtschaft einschliesslich der beratungsresistenten Betroffenen. Es rührt daher, dass neue Vermarktungsmöglichkeiten, wie sie durch kontinuierlich auftauchende, neue Technologien uns sprichwörtlich um die Ohren fliegen und auf den Geist gehen, da wir sie nicht erfolgreich in die uns vertrauten Organisationsschemen einpassen können. Eine anhaltende Denkpause bei Werbeagenturen entsteht. Sozialmedien und Internet bringen es an den Tag, es gibt ein Problem dem Selbstverständnis der Marke gegenüber, für die wir tagtäglich den überwiegenden Teil unserer Zeit opfern. Die Marke tut ihre Arbeit nicht. Damit dieser Absatz seine Arbeit tut, hier die Wikipedia Erklärung, dass Serendipität sich vom glücklichen Zufall unterscheidet, indem sie eine intelligente Schlussfolgerung voraussetzt, in Folge einer Untersuchung zufälliger Beobachtungen von etwas ursprünglich nicht Gesuchtem, das sich als neue und überraschende Entdeckung erweist. Schlagworte, die sich frischem Erfindungsgeist in den Weg stellen und mich erschauern machen, wie Mohrhuhn, Facebook, Portal, Intranet. Das Einstellen gefallener Engel früher, überkommener Internetepochen. Eine Denkpause ist durchaus angebracht und anempfohlen.

 

Allem Anfang wohnt ein Zauber inne. Hier eine Liste kleiner Schritte, die zu unternehmen es für die Agentur lohnt ohne groß eine Verpflichtung einzugehen und ohne den vertrauten Organisationsrahmen zu übertreten.

 

kleine Schritte

  1. Erfolg verspricht nicht das Nutzen von sozialen Netzwerken, für die Gemeinschaft Nutzen schaffen verspricht Erfolg
  2. Intentionen und Denkweise der Agentur mit eigenem Agenturblog darlegen. Das Selbstverständnis über die eigene Marke stärken. Auch wird Transparenz demonstriert & automatisiert.
  3. Ping: Die bestehende Agenturwebsite für Pings empfänglich machen.
  4. Agentur Website abschalten oder sozialisierbar machen
  5. Software von der Stange nutzen: Von der Erfahrung erprobter und getesteter Software Angebote profitieren. MRM Worldwide demonstriert Nutzen und Eleganz einer auf WordPress CMS basierenden Website.
  6. Eigene Widgets entwickeln und vermarkten: Mit der Werbebranche, für die Werbebranche kollaborieren und Nutzbares schaffen

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