Gestern feierte BBH als auch Wieden + Kennedy, zwei der Welt besten Kreativagenturen ihren Dreissigsten und heute ist es mein Sechsundfünfzigster.
Der an sich sympathische Gareth Kay kehrt von einem Vortrag in Toronto, Canada zurück mit der mörderischen Frage, ob das was wir tun radikal genug ist.
Die Frage, die mich immer wieder plagt und alle Welt, nur mir nicht, Kopfzerbrechen bereiten soll.
“For me, any of the little gestures I make are all tentative probes. That’s why I feel free to make them sound as outrageous or extreme as possible. Until you make it extreme, the probe is not very efficient.”
Es mag beunruhigend sein, die Augen auf einer Fotografie von Gregory Crewdson ruhen und die Gedanken abwandern zu lassen in das Verhältnis von Inhalt und Zusammenhang.
Die Idee ist, die Augen auf einem einzigen Bild ruhen und diese Momentaufnahme die ganze Geschichte erzählen zu lassen.
Dem Foto wird seine dokumentarischen Aufgabe genommen und eine erzählerische Aufgabe gegeben.
Im Fall des Fotografen Gregory Crewdson, ein Drama.
Es kann aber auch Romanze sein oder jede andere, weniger Furcht einflössende Kategorie mit geringerem Aufwand.
Eine Originalgetreue Adaption von Robert Kirkman’s gleichnamiger Comicreihe und Weltklasse Paradebeispiel an Geschichten erzählen in modernen Zeiten.
Robert Kirkman's Walking Dead Comic
Bereits die zum Debüt 2010, an Halloween von AMC ausgestrahlte TV Sendung, mit seiner ersten, sehr verhaltenen Einstellung zu „Days Gone Bye‟, bestimmt den Ton für alle Episoden und ist Indikator, dass es sich hier um eine aussergewöhnliche Arbeit handelt.
Die s/w Comic Vorlage von Robert Kirkman und den Zeichnern Tony Moore, der von Ausgabe 7 an, von Charlie Adlard ersetzt wurde, wechselt abrupt von sehr ruhigen Erzähl-Passagen zu ungemein geschwätzigen, lebhaften Passagen, und wird seit 2003 von Image Comics veröffentlicht.
Rick, das menschliche Drama
Glenn und Maggie frisch verliebt
Walking Dead überrennen den Zaun
Der gründliche Wandel der US Kultur seit 9/11
Das US Fernsehen und die Kinofilme machen es greifbar, Amerikaner sind in jeder Hinsicht entschlossen zu transformieren. Eine radikale Abkehr der Unterhaltungsindustrie von US Actionfilmen zu zwischenmenschlichen Belangen und Aufklärung darüber hat unmittelbar nach den Attacken auf das New Yorker World Trade Center, 2001 eingesetzt und wurde konsequent fortgesetzt in allen mir bekannten TV Serien oder Kinofilmen.
Criminal Intend, Desperate Housewives, Gossip Girl, Boston Legal oder Grey’s Anatomy…
Während vor 9/11 jeder nur erdenkliche Aufwand für Pyrotechnik, Verfolgungsjagden und Kampfszenen betrieben wurde und der sogenannten menschlichen Seite nur eine kleine Nebenrolle zukam, spielen heute Befindlichkeiten und menschliches Verhalten die Hauptrolle in allen Erzählformen.
Es sind auch nicht länger faszinierende Bösewichte gegen nette aberlangweilige und wehrlose Hippies, die Hauptrolle in Walking Dead haben das durchaus unsympathische, nervtötende und klägliche Kleinbürger-Ehepaar Rick und Lori Grimes mit Sohn Carl, in Konflikt mit den Überkommenheiten der Vorzeit.
Ich bin Amerikaner und mit geladenen Schusswaffen in den Schubladen aufgewachsen.
Wir müssen uns zur Wehr setzen vor Zombies, Übergriffen der Regierung und solchen die es nicht gut mit uns meinen.
Die unheimliche Kapuzenfrau, die Andrea das Leben rettet in Folge 13 „Beside the dying fire”, heisst Michonne.
Sie läuft herum mit einem Katana Schwert und zwei angeketteten Walker ohne Arme und Unterkiefer, deren Verwesungsgeruch sie davor schützt, von den Walking Dead wahrgenommen zu werden.
Eine englische Lady immigriert in den Westen und wird von einem schroffen Geächteten entführt, der versucht sich ihr aufzudrängen, scheitert jedoch an seiner Erektionsstörung. Ereignisse und Abenteuer nehmen ihren Lauf in diesem dem Original Western nachempfundenen Film.
Seit einiger Zeit fällt auf, dass die Stadt New York einen neuen Schriftzug erhalten hat und zwar von Wolff Olins.
Wir erfahren davon nichts in unseren Fachjournalen, Horizont oder Werben & Verkaufen, wie ja unsere Fachjournale den alten Seilschaften und ihren innerbetrieblichen Einblicken von Beförderung und Etatverschiebung die Treue hält und eine Bezugnahme zum Europäischen bzw. globalen Kontext ausbleibt.
Was Wirtschaft treibt und der radikale Wandel im Verhalten der Konsumenten interessieren nicht.
Freilich bereue ich auch sofort, mich von Zynismus überwältigt zu zeigen, ich verabscheue die dt. Fachpresse, das Format ist hässlich und die Inhalte dumm.
Das Logo und damit Wolff Olins kamen in Verruf, als die NYC Logotype für alle sichtbar auf dem Gelb der New Yorker Taxis erschien.
Diesmal sollen auch nicht Wolff Olins die Schuldigen sein, aber ein Durcheinander an entscheidungsberechtigten New Yorker Bürokratien die Schuld tragen. Ein Gemisch aus Öl und Wasser (hier zu lesen)
Wie treffend die Anlehnung an einen Serif-Slab Font sein mag, oder wie zutreffend die Dichte der Initialen, die Enge der Stadt widerspiegele, ist jedenfalls nicht Inhalt auch nur eines Gespräches in den U-Bahnzügen New Yorks.
Die Leute in U-Bahnen rund um die Welt fragen sich vielmehr, was wurde aus „I ❤ NY‟?
Von Wolf Olins ist das in Deutschland bekannte Schlecker Logo und derzeit wohl auch nicht sonderlich beliebt. Das altbekannte „I ❤ NY‟ wurde von Milton Glaser geschaffen.
Fotos via underconsideration.com
NYC in der neuen Welt
Rachel Sterne, eine Technologie vertraute, klassische Schönheit von 28 Jahren wurde vor einem Jahr von Bürgermeister Bloomberg zum Chief Creative Officer der Stadt New York ernannt.
Rachel Sterne, CCO
Längst zeigt ihre Arbeit dort Früchte, wo sie Früchte tragen sollen, in den Verbindungen.
Erklärtes Ziel ist es die Stadt ins digitale Zeitalter zu bringen und Digital für jeden New Yorker zugänglich zu machen.
Rachel Sterne hat dazu beigetragen Wi-Fi in ersten Parkanlagen der Stadt zu ermöglichen. Mit Twitter und Facebook wurden Übereinkommen getroffen um den Benutzern von NYC.gov beste Verbindungsmöglichkeiten zu gewähren. Über Bitly wurden kurze URLs ermöglicht um das Teilen von Links zu vereinfachen und dort zu ermöglichen, wo lange URLs nicht akzeptiert werden.
Rachel organisierte das erste Hackathon der Stadtverwaltung um Vorschläge zum Neustart von NYC.gov einzuholen.
Bemerkenswert ist, welche Wirkung, Rachel Sterne’s geschicktes Handeln mit Stadtverwaltungen und Technologie Anbietern auslöst. Das also, was die Leute aus der Technik machen, sowie sie die Hilfsmittel dazu bereitgestellt bekommen.
Wie sie sie mit Leben füllen und wie das Verhalten sich ändert.
Wie förderlich Unternehmen, Handwerk und Stadtverwaltung gegenseitig sind und Lebensenergie versprühen, zeigt das ruhige Beispiel der Illustratorin Sophie Blackall, dass ich auf tumblr gefunden habe:
Ein Argument auch bei Prof. Peter Kruse und das Video als eine Kollaboration von Etsy (Unternehmen), Sophie Blackall (Handwerk) und NYC (Regierung) macht sein Argument jedenfalls fühlbar.
Simon Sinek präsentiert seinen goldenen Kreis bei TedTalks.
Wer? Was? Wo? Wann? Warum? – Mit solchen Fragen wurde uns beigebracht unsere Untersuchung einzuleiten. Polizeiarbeit, nur sind wir keine Polizisten.
Simon Sinek empfiehlt mit der Beantwortung der Frage nach dem warum zu beginnen, wenn es darum geht unseren raison d’être (Daseinszweck) und/oder das Geschäftsmodell zu kommunizieren.
Beginne mit warum Du so felsenfest überzeugt bist und kommuniziere von innen nach aussen.
Menschen kaufen nicht, was Sie tun; Menschen kaufen, warum Sie etwas tun.
Mir ist immer wieder begegenet, dass wenn eine alleinstehende Frau Sex haben will, sie erfolgreich sein wird, solange sie sich von innen nach aussen sexy fühlt und dabei gelassen oder lässig wirkt.
Sinek’s goldener Kreis führt vor Augen, was die Werbebranche von Kevin Robert’s Lovemark Marketing Konzept gelernt (oder ignoriert) hat (bilde Loyalität jenseits von Verstandeskraft).
Die Biologie hinter Sinek’s goldenen Kreis birgt womöglich eine Erklärung, warum wir Dinge zu wissen scheinen lange bevor wir es rational erklären können.
Warum wir so oft Nummern und Fakten, auch dann wenn wir sie fordern, ausser acht lassen und ein positive Entscheidung fällen für etwas das sich richtig anfühlt.
Der Neocortex entspricht dem äusseren Kreis (Was), und ist der für Sprache und Rationalität verantwortliche Teil unseres Hirns.
Die inneren Kreise (Warum and Wie) entsprechen dem Limbischen System unseres Gehirns, der Domäne in der Entscheidungen gefällt werden.
Das Tornado-Phänomen
Gesetz der Diffusion von Innovation
Ein Fall für Egoisten
Bestätigt. Wir wollen nur zu gerne glauben, dass über den Wendepunkt (Tipping Point) mit einer, in den Netzen aktiven Gruppe von Egoisten, einem Kreis an teilnehmenden Beobachtern, hinweg zu kommen ist und wir haben eine beständig zunehmende Stückzahl an reifen Leistungen um optimistisch zu sein.
Bestätigt auch, ich bin spät mit diesem Eintrag und ich empfehle seinen wiederholten Besuch, gerade so wie David Ogilvy die Empfehlung aussprach, John C. Hopkins’ Wissenschaftliche Werbung sieben Mal zu lesen.
Schinken und Beine: Drei Schweine sagen auf der Guardian Homepage was wirklich passiert ist.
„Grosser böser Wolf?‟ Der Guardian stellt sich vor wie die Schlagzeilen in heutiger Zeit lauten würden.
„Kinn hoch!‟ Die Fernsehwerbung spielt auf die aus dem Märchen bekannten Verse an.
„Wach auf zum Duft von Schinken!‟ Die armen Scheine werden verhöhnt.
Die englische Zeitung, The Guardian schaltet erstmals Fernsehwerbung. Eine Aufklärungskampagne zu offenem Journalismus, mit Hilfe der Londoner Agentur Bartle Bogle Hagerty.
The Guardian geniesst ohnehin hohes Ansehen unter Lesern, Journalisten und Bürgerjournalisten (Bloggern). Die tollkühne Aufklärungskampagne will nicht vordergründig neue Abonnenten gewinnen aber die Konversation um ein weitaus dringlicheres Thema anregen:
Offener Journalismus: Kommunikation im 21. Jahrhundert.
Ist die Frage nach ROI noch legitim, jetzt da die Deutsche McDonalds Kette mit Mein Burger ein deutliches Fallbeispiel vorzuweisen hat, wie Anlagenrendite im 21. Jahrhundert geht?
Aber zurück vom Rind (und der ewigen ROI Rindviech-Thematik bei WUV und Horizont) zum Schwein.
Sandra Sieber, allein erziehende Mutter mit Vollbeschäftigung bei der Ortssparkasse, verdiente sich ein Beibrot mit dem Verkauf von Strickmützen vom Stand auf dem Christkindlmarkt. Schon bald überschritt die Nachfrage die Ortsgrenzen von Bayrischzell.
Eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Miesbach mit den bekannten Skigebieten Wendelstein, Rosskopf und Sudelfeld.
Bestelle Deine handgestrickte Wollmütze nach Mass und in Deinen Farben auf Sandra’s Haumpage.
“Think Bavarian, Act Global.” ist auf einem Polohemd eingestickt, dass ich beim Besuch eines der Königsschlösser im Souvenirladen erworben habe.
Womöglich unbeabsichtigt, hat Sandra Sieber ein eigenes Öko-System geschaffen.
Trotzt zunehmendem Wettwerb, solcher die auf den Häckelhaum-Zug mit aufspringen, kommt Sandra Sieber mit der Produktion kaum nach und die Nachfrage nimmt seit 2010 beständig zu. Mutter Roswitha und Tochter Theresa helfen bereits.
An Arbeitskräften sollte es nicht fehlen, denke an die alten Bäuerinnen mit professionellen Strickfähigkeiten, die ihre Familien in den noch so entlegenen Winkeln mit einem Zubrot unterstützen wollten.
Tettemer & Partners Homage an MadMen, handsigniert von Christina Hendricks
Dieser hier ist es
Ein Leben lang war ich ein aufmerksamer Beobachter aller Marketingbelange, doch erst jetzt, als ein sich erholender Werbemann, entdecke ich Sachen die mich wirklich überraschen, wie etwa dieser Teaser Trailer für ein Buch von David McRaney’s mit dem Titel: „Sie sind nicht so intelligent‟.
Kann soziales Bewusstsein in Werbeagenturen unserer Werbebranche Magie zurückbringen?
Herbert von Karajan – Richard Wagner – Das Rheingold – 01 – Prelude
Unterdrücken Sie bitte für die Dauer der Lektüre das Vorurteil, es handele sich hier um einen Werbetrick oder um einen banalen Kampagnenaufhänger.
Selbst wenn dem so ist, die Kollaboration von Jeansmarke Levi’s® und der Kleinstadt Braddock unweit von Pittsburg USA, seit dem Abzug der Stahlindustrie vom Untergang bedroht, demonstriert wie Wirtschaft und Gesellschaft fortan zusammenarbeiten können, damit mehr zur Zufriedenheit aller geschieht.
Ethik wird zu einem diskriminierenden Erfolgsfaktor im Marketing von heute.
Levi’s® hat sich verpflichtet das Stadtzentrum zu erneuern und den städtischen Bauernhof darin zu unterstützen, kostenermässigte Produkte an die Bürger auszugeben. Den Bürgerinnen u. Bürgern ist unmittelbar geholfen mit einem Honorar für ihr Mitwirken als Darsteller in den nationalen Druckanzeigen.
Auch Bürgermeister John Fetterman, der sich die PLZ von Braddock in den Oberarm hat tätowieren lassen, bestätigt glaubwürdig, bei seiner Kollaboration mit Jeanshersteller Levi’s® zu keinem Zeitpunkt an eine Werbekampagne erinnert worden zu sein.
John Fetterman, Bürgermeister von Braddock, Pennsylvania, USA.
„Wir wollten keine Fotos von Leuten vor einer Ziegelwand machen und es Arbeitskleidung nennen.‟
Einig und klar, die beiden Kreativdirektoren Tyler Whisnand und Danielle Flagg von Wieden+Kennedy zum Levis Ready to Work Projekt. Dabei handelt es sich um eine längerfristige Verpflichtung, die Levi’s® mit der Stadt Braddock eingeht, um öffentlichkeitswirksam und fühlbar die Stadt und ihre Bürger darin zu unterstützen wieder auf die Beine zu kommen.
Uns wurde beigebracht wie Pioniere den Westen eroberten. Sie öffneten ihre Augen und malten sich aus wie alles werden sollte. Vor langer Zeit brach hier alles zusammen.
Die Leute wurden traurig und gingen fort. Möglicherweise bricht die Welt ja mit Absicht zusammen. Damit wir Arbeit zu tun haben. Die Leute denken es gibt keine Grenzen mehr zu überschreiten. Sie sehen nicht wie wir von Grenzen umgeben sind.
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Über mich
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