Deutsche Literatur

„55 ist kein Alter”

1. April 2013 Keine Kommentare

 

 

100 Jahre Maxim „55 ist kein Alter”

100 Jahre Maxim

 

Maxim Wandschmuck „55 ist kein Alter”

Maxim Wandschmuck

 

Alfred Steinau Charly ReuterMaxim „55 ist kein Alter”

Alfred Steinau (lächerlich Schallplatten), Charly Reuter (Oi Tonträger) mit mir im Maxim Foyer

 

Maxim Cinema „55 ist kein Alter”

Alfred Steinau (links) und Charly Reuter (rechts) mit mir im Maxim


 
Olympiasiegerin „55 ist kein Alter”

Herbert Achternbusch Die Olympiasiegerin



Hammerstein Maier 280 „55 ist kein Alter”

 


Alfred Steinau feiert seinen 55. Geburtstag im 100 jährigen Maxim an der Landshuter Allee

Ein toller Abend. Von Herbert Achternbusch wurde „Die Olympiasiegerin” vorgeführt. Davor gab es gutes Bier auch Dunkles und Weisswürst mit Händlmaier Süßsenf und weitere Würste und nämlich Pfälzer und Regensburger mit Löwensenf, Brezeln u. Obatzter. Zum Film versorgte ich uns mit kleinen Goldbären Verpackungen an Gummibären. Bis auf den Schmarer Achternbusch, war ausschliesslich Punk Musik zu hören.

Es gibt das Maxim Kino seit 1912, zwei Jahre vor Ausbruch des ersten Weltkrieges. Heute wird es von Siegfried Daiber betrieben, dem auch für den schönen Abend unser Dank gilt. Das Maxim ist fantastisch und geeignet für Vorträge zum Thema „München macht” im engen Kreis einiger Gedankenführer noch bevor es ggf. zu DLD Women geht. Das Mögliche soll uns mehr noch interessieren als das Wirkliche.

 

 

Designmagazin am Start

9. November 2012 Keine Kommentare



grid cover erstausgabe 290 Designmagazin am Start



FastCompany DesignAnnual Cover 290 Designmagazin am Start


Design wird rasch zum Grundstein für Innovation und Schlüsselelement den Gründergeist in der Wirtschaft zu beleben

GRID heisst das Fachmagazin für Grafik- und Industriedesign, das alle 2 Monate vom Münchner Detail-Verlag am Kiosk erhältlich ist und hier abonniert werden kann.

Ein willkommener und notwendiger Beitrag, Transformation und Neue Welt greifbar zu machen. Vor drei Tagen ging GRID an den Start und schon ist die Website überholt, verkehrt und nämlich statisch wie eine Drucksache. Mehr zu GRID erfahren Sie auf Design Tagebuch.

Die Überschrift ist Bob Safian, Herausgeber des US Magazins Fast Company entlehnt.

 

 

Verbringen Sie zuviel Zeit mit der Frau?

30. August 2012 Keine Kommentare

Carlton Blondes 596 Verbringen Sie zuviel Zeit mit der Frau?



Carlton Redheads 290 Verbringen Sie zuviel Zeit mit der Frau?



Carlton Lying Down 290 Verbringen Sie zuviel Zeit mit der Frau?


Verbringen Sie zuviel Zeit mit der Frau?

„Bleiben Sie doch noch,‟ drängten die Anzeigen für das Carlton Mid Bier, „Wenn Sie die Bar zu früh verlassen und zuviel Zeit zuhause mit der Frau verbringen, dann können schlimme Dinge passieren.‟

Agentur: Clemenger BBDO, Melbourne, Australien.

Hier sollte ein für uns Männer heiterer, aufmunternder Eintrag enden, wäre mir nicht die passende Bemerkung von Thomas Meinecke bei einem DJ Abend in der Münchner roten Sonne eingefallen.

 


„Mit Bier geht es leichter‟

Ein lustiges, realitätsnahes Zugeständnis wie ich es von dem Freund kenne und schätze.

Was mich aber beschäftigt ist, wie es weitergeht und nicht wie es war.

Diedrichsen hatte sein Sexbeat Buch doch immerhin mit dem Wort „weiter‟ beendet.

In Lookalikes findet sich die brauchbare Referenz zu Jaques Lacan’s Spiegelstadium:

Was geschieht wenn wir uns etwa in Facebook selbst begegnen?

Meinecke’s frühe Begrüssung einer Vereinzelung in der modernen Welt und das damit einhergehende, unbedingte Ja zur modernen Welt, hat Gestalt angenommen

Wir sollen unseren Auftrag akzeptieren, durch den Erwerb neuen Wissens Unklarheiten zu beseitigen, Fragen zu beantworten, Irrtümer zu beheben. Jetzt da wir die Mittel dazu haben.



Thomas Meinecke Lookalikes 290 Verbringen Sie zuviel Zeit mit der Frau?



FSK Budweiser Polka 1988 290 Verbringen Sie zuviel Zeit mit der Frau?

FSK Budweiser Polka, dass ich ’88 in Wien gestalten durfte

 

Die Chroniken mit brauchbarer Aufklärung bereichern und in fünf Jahren mehr Geld beschaffen als in den vierzig Jahren zuvor

Das also ist mein Angebot an die Freunde, profitabel im Gespräch zu bleiben.

Mir bleiben weniger als 9 Tage mit Thomas ein Übereinkommen zu treffen, falls Du über diesen Eintrag gestolpert bist, bitte lass hier hören von Dir, ich versuche es derweilen auf dem Telefonweg.

 

 

Wir verliebten uns im kodierten Raum

9. Mai 2012 Keine Kommentare

boarding area Wir verliebten uns im kodierten Raum

Wir verliebten uns im kodierten Raum. Beispiel: Flughafen Check-in-Halle.

 

CC Cubatron Flickr pic outsourcing Wir verliebten uns im kodierten Raum

Wir verliebten uns im kodierten Raum. Beispiel: Outsourcing.

 

Top Editors Wir verliebten uns im kodierten Raum

Wir verliebten uns im kodierten Raum. Beispiel: Wikipedia.

 

James Bridle spricht über sein Mitgefühl für Spambots, kodierte Räume wie etwa dem Check-in-Bereich auf Flugplätzen und der denkbaren Möglichkeit, dass Maschinen, wenn auch hilflos, unsere Hilfe wollen.

 

Kodierte Räume

Wann immer wir uns einreihen ein Flugzeug zu besteigen, werden wir durch einen kodierten Raum geschleust.

Bei Ausfall der Software entsteht Chaos und die Menschen werden wie es heisst zu Tieren oder ziehen sich phlegmatisch zurück.

 

Outsourcing

Seit 15 Jahren lagern wir unsere Erinnerungen und Erlebnisse zunehmend in die Netze aus.

Wir verbringen unsere Zeit zunehmend in Verhandlungen mit dem Netz, um unsere Erinnerungen und Erlebnisse verstehen zu können.

Unsere Erlebnisse sind gemeinsam erschaffen (co-kreiert) mit den Lagerstätten unserer Erinnerungen und Erlebnisse.

 

 

Wikipedia

Auch für James Bridle ist Wikipedia die überzeugendste, reife Leistung, die unsere neue Welt bislang hervorgebracht hat.

23 der 30 aktivsten Editoren auf Wikipedia sind Bots.

Ein Bot sucht und korrigiert Satzwitwen, ein anderer durchsucht die Orthographie und korrigiert die Schreibweise.

 

Rainer Maria Rilke Wir verliebten uns im kodierten Raum

Rainer Maria Rilke österreichischer Erzähler und Lyriker, 1875 - 1926

 

James Bridle auf der Lift Konferenz in Genf.

 

@jamesbridle

 

Über den Umgang mit Menschen

13. April 2012 Keine Kommentare

1) Warum man mit großen und glänzenden Eigenschaften dennoch nicht immer in der Welt sein Glück mache? Über den esprit de conduite. Mancher will sich nicht nach den Sitten andrer fügen; manchem fehlt es dazu an der nötigen Weltkenntnis; mancher ist zu voll Forderungen. Aber auch mit dem besten Willen und guten Anlagen glückt es nicht jedem; warum?
Wir sehen die klügsten, verständigsten Menschen im gemeinen Leben Schritte tun, wozu wir den Kopf schütteln müssen.
Wir sehen die feinsten theoretischen Menschenkenner das Opfer des gröbsten Betrugs werden.

Wir sehen die erfahrensten, geschicktesten Männer bei alltäglichen Vorfällen unzweckmäßige Mittel wählen, sehen, daß es ihnen mißlingt, auf andre zu wirken, daß sie, mit allem Übergewichte der Vernunft, dennoch oft von fremden Torheiten, Grillen und von dem Eigensinne der Schwächeren abhängen, daß sie von schiefen Köpfen, die nicht wert sind, ihre Schuhriemen aufzulösen, sich müssen regieren und mißhandeln lassen, daß hingegen Schwächlinge und Unmündige an Geist Dinge durchsetzen, die der Weise kaum zu wünschen wagen darf.

Wir sehen manchen Redlichen fast allgemein verkannt.

Wir sehen die witzigsten, hellsten Köpfe in Gesellschaften, wo aller Augen auf sie gerichtet waren und jedermann begierig auf jedes Wort lauerte, das aus ihrem Munde kommen würde, eine nicht vorteilhafte Rolle spielen, sehen, wie sie verstummen oder lauter gemeine Dinge sagen, indes ein andrer äußerst leerer Mensch seine dreiundzwanzig Begriffe, die er hie und da aufgeschnappt hat, so durcheinander zu werfen und aufzustutzen versteht, daß er Aufmerksamkeit erregt und selbst bei Männern von Kenntnissen für etwas gilt.

Wir sehen, daß die glänzendsten Schönheiten nicht allenthalben gefallen, indes Personen, mit weniger äußern Annehmlichkeiten ausgerüstet, allgemein interessieren.

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Alle diese Bemerkungen scheinen uns zu sagen, daß die gelehrtesten Männer, wenn nicht zuweilen die untüchtigsten zu allen Weltgeschäften, doch wenigstens unglücklich genug sind, durch den Mangel einer gewissen Gewandtheit zurückgesetzt zu bleiben, und daß die Geistreichsten, von der Natur mit allen innern und äußern Vorzügen beschenkt, oft am wenigsten zu gefallen, zu glänzen verstehen.

Ich rede aber hier nicht von der freiwilligen Verzichtleistung des Weisen auf die Bewunderung des vornehmen und geringen Pöbels. Daß der Mann von bessrer Art da in sich selbst verschlossen schweigt, wo er nicht verstanden wird; daß der Witzige, Geistvolle in einem Zirkel schaler Kopfe sich nicht so weit herabläßt, den Spaßmacher zu spielen; daß der Mann von einer gewissen Würde im Charakter zu viel Stolz hat, sein ganzes Wesen nach jeder ihm unbedeutenden Gesellschaft umzuformen, die Stimmung anzunehmen, wozu die jungen Laffen einer Vaterstadt den Ton mit von Reisen gebracht haben, oder den grade die Laune einer herrschenden Kokette zum Konversations-, Kammer- und Chorton erhebt; daß es den Jüngling besser kleidet, bescheiden, schüchtern und still, als, nach Art der mehrsten unsrer heutigen jungen Leute, vorlaut, selbstgenügsam und plauderhaft zu sein; daß der edle Mann, je klüger er ist, um desto bescheidener, um desto mißtrauischer gegen seine eigenen Kenntnisse, um desto weniger zudringlich sein wird; oder daß, je mehr innerer, wahrer Verdienste sich jemand bewußt ist, er um desto weniger Kunst anwenden wird, seine vorteilhaften Seiten hervorzukehren, so wie die wahrhafte Schönheit alle kleinen anlockenden, unwürdigen Buhlkünste, wodurch man sich bemerkbar zu machen sucht, verachtet, – das alles ist wohl sehr natürlich! -

Davon rede ich also nicht.

Auch nicht von der beleidigten Eitelkeit eines Mannes voll Forderungen, der unaufhörlich eingeräuchert, geschmeichelt und vorgezogen zu werden verlangt und, wo das nicht geschieht, eine traurige Figur macht; nicht von dem gekränkten Hochmute eines abgeschmackten Pedanten, der das Maul hängen läßt, wenn er das Unglück hat, nicht aller Orten für ein großes Licht der Erden bekannt und als ein solches behandelt zu sein, wenn nicht jeder mit seinem Lämpchen herzuläuft, um es an diesem großen Lichte der Aufklärung anzuzünden. Wenn ein steifer Professor, der gewöhnt ist, von seinem bestaubten Dreifuße herunter, sein Kompendium in der Hand, einem Haufen gaffender, unbärtiger Musensöhne stundenlang hohe Weisheit vorzupredigen und dann zu sehn, wie sogar seine platten, in jedem halben Jahre wiederholten Späße sorgfältig nachgeschrieben werden; wie jeder Student so ehrerbietig den Hut vor ihm abzieht, und mancher, der nachher seinem Vaterlande Gesetze gibt, ihm des Sonntags im Staatskleide die Aufwartung macht; wenn ein solcher einmal die Residenz oder irgendeine andre Stadt besucht, und das Unglück nun will, daß man ihn dort kaum dem Namen nach kennt, daß er in einer feinen Gesellschaft von zwanzig Personen gänzlich übersehn oder von irgendeinem Fremden für den Kammerdiener im Hause gehalten und Er genannt wird, er dann ergrimmt und ein verdrossenes Gesicht zeigt; oder wenn ein Stubengelehrter, der ganz fremd in der Welt, ohne Erziehung und ohne Menschenkenntnis ist, sich einmal aus dem Haufen seiner Bücher hervorarbeitet, und er dann äußerst verlegen mit seiner Figur, buntscheckig und altväterisch gekleidet, in seinem vor dreißig Jahren nach der neuesten Mode verfertigten Bräutigamsrocke dasitzt und an nichts von allem, was gesprochen wird, Anteil nehmen, keinen Faden finden kann, um mit anzuknüpfen, so gehört das alles nicht hierher.

Ebensowenig rede ich von dem groben Zyniker, der nach seinem Hottentottensysteme alle Regeln verachtet, welche Konvenienz und gegenseitige Gefälligkeit den Menschen im bürgerlichen Leben vorgeschrieben haben, noch von dem Kraftgenie, das sich über Sitte, Anstand und Vernunft hinauszusetzen einen besondern Freibrief zu haben glaubt.

Und wenn ich sage, daß oft auch die weisesten und klügsten Menschen in aller Welt, im Umgange und in Erlangung äußerer Achtung, bürgerlicher und andrer Vorteile ihres Zwecks verfehlen, ihr Glück nicht machen, so bringe ich hier weder in Anschlag, daß ein widriges Geschick zuweilen den Besten verfolgt, noch daß eine unglückliche leidenschaftliche oder ungesellige Gemütsart bei manchem die vorzüglichsten, edelsten Eigenschaften verdunkelt.

Nein! meine Bemerkung trifft Personen, die wahrlich allen guten Willen und treue Rechtschaffenheit mit mannigfaltigen, recht vorzüglichen Eigenschaften und dem eifrigen Bestreben, in der Welt fortzukommen, eigenes und fremdes Glück zu bauen, verbinden, und die dennoch mit diesem allen verkannt, übersehn werden, zu gar nichts gelangen. Woher kommt das?

Was ist es, das diesen fehlt und andre haben, die, bei dem Mangel wahrer Vorzüge, alle Stufen menschlicher, irdischer Glückseligkeit ersteigen? – Was die Franzosen den esprit de conduite nennen, das fehlt jenen: die Kunst des Umgangs mit Menschen – eine Kunst, die oft der schwache Kopf, ohne darauf zu studieren, viel besser erlauert als der verständige, weise, witzreiche; die Kunst, sich bemerkbar, geltend, geachtet zu machen, ohne beneidet zu werden; sich nach den Temperamenten, Einsichten und Neigungen der Menschen zu richten, ohne falsch zu sein; sich ungezwungen in den Ton jeder Gesellschaft stimmen zu können, ohne weder Eigentümlichkeit des Charakters zu verlieren, noch sich zu niedriger Schmeichelei herabzulassen. Der, welchen nicht die Natur schon mit dieser glücklichen Anlage hat geboren werden lassen, erwerbe sich Studium der Menschen, eine gewisse Geschmeidigkeit, Geselligkeit, Nachgiebigkeit, Duldung, zu rechter Zeit Verleugnung, Gewalt über heftige Leidenschaften, Wachsamkeit auf sich selber und Heiterkeit des immer gleich gestimmten Gemüts; und er wird sich jene Kunst zu eigen machen; doch hüte man sich, dieselbe zu verwechseln mit der schändlichen, niedrigen Gefälligkeit des verworfenen Sklaven, der sich von jedem mißbrauchen läßt, sich jedem preisgibt; um eine Mahlzeit zu gewinnen, dem Schurken huldigt, und um eine Bedienung zu erhalten, zum Unrechte schweigt, zum Betruge die Hände bietet und die Dummheit vergöttert!

Indem ich aber von jenem esprit de conduite rede, der uns leiten muß, bei unserm Umgange mit Menschen aller Gattung, so will ich nicht etwa ein Komplimentierbuch schreiben, sondern einige Resultate aus den Erfahrungen ziehn, die ich gesammelt habe, während einer nicht kurzen Reihe von Jahren, in welchen ich mich unter Menschen aller Arten und Stände umhertreiben lassen und oft in der Stille beobachtet habe. – Kein vollständiges System, aber Bruchstücke, vielleicht nicht zu verwerfende Materialien, Stoff zu weiterm Nachdenken.

 

Hannover, im Januar 1790.

 


via zeno.org

Adolph Freiherr von Knigge: Über den Umgang mit Menschen. Frankfurt a.M. 1977, S. 12-17.

 

 

Über den Umgang mit Menschen

6. April 2012 Keine Kommentare

Der Gegenstand dieses Buchs kommt mir groß und wichtig vor, und irre ich nicht, so ist der Gedanke, in einem eignen Werke Vorschriften für den Umgang mit allen Klassen von Menschen zu geben, noch neu. Eben dieser Umstand aber und daß mir in Deutschland, soviel ich weiß, niemand vorgearbeitet hat, muß einen Teil der Unvollkommenheiten meiner Arbeit entschuldigen. Es ist ein weites Feld vollständig und gründlich zu bearbeiten, vielleicht für einen Menschen und gewiß für meine Kräfte zu groß. Kann aber das in magnis voluisse aliquid Verdienst geben, so darf ich einigen Anspruch auf den Dank des Publikums machen, um so mehr, wenn etwa meine Arbeit bei einem größern Menschenkenner und feinern Philosophen einst die Lust erwecken sollte, etwas Vollkommneres hierüber zu liefern.

Vielleicht wird man mir Weitschweifigkeit vorwerfen und mich beschuldigen, ich hätte Räsonements eingemischt, die nicht eigentlich zu den Regeln über den Umgang mit Menschen gehören; allein es ist hier schwer, die wahre Grenzlinie zu finden. Wenn ich zum Beispiel lehren will, wie vertraute Freunde im Umgange [13] miteinander sich betragen sollen, so scheint es mir sehr passend, erst etwas über die Wahl eines Freundes und über die Grenzen freundschaftlicher Vertraulichkeit zu sagen, und wenn ich über das Betragen im geselligen Leben in manchen Klassen von Menschen rede und zeige, wie man ihrer Schwächen schonen soll, so stehen philosophische Bemerkungen über diese Schwächen selbst und über deren Quellen nicht am unrechten Ort.

Übrigens habe ich dies Buch nicht flüchtig hingeschrieben, wie wohl andre meiner Schriften, sondern lange an den Materialien dazu gesammelt. – Es enthält Resultate aus meinem ziemlich unruhigen Leben unter Menschen mancher Art. Bei dem veränderlichen und leichtfertigen Geschmacke des deutschen Publikums und der übertriebenen Nachsicht, mit welcher dasselbe unbedeutende Romane, leere Journale, platte Schauspiele und nichtswürdige Anekdotensammlungen aufnimmt, möchte es zwar kaum einer Entschuldigung bedürfen, wenn man diesen größern Teil des Publikums nicht so sehr respektierte, daß man streng gewissenhaft in Wahl und Ausfeilung der Produkte wäre, welche man in die gelehrte Welt schickt. Schriftstellerei ist in jetzigen Zeiten nicht viel mehr als Gespräch mit der Lesewelt; in freundschaftlichen Unterredungen wiegt man aber nicht jedes Wort ab. Der müßige Haufen will ohne Unterlaß etwas Neues hören; ernsthafte, wichtige Werke werden von den Buchhändlern nicht halb so gern in Verlag genommen und vom Publikum nicht halb so eifrig gelesen als jene Modeware; wenn man sich nun herabläßt, die Wahrheiten, die man zu sagen hat, wenigstens in ein solches Gewand zu hüllen, wie es der große Haufen gern sieht, so läuft wohl freilich je zuweilen ein unnützes Wort mit unter, und das ist vielleicht auch mein Fall gewesen. Doch will ich offenherzig genug sein, noch etwas zur Entschuldigung meiner bisherigen Vielschreiberei anzuführen.

Niemand kann lebhafter als ich selbst fühlen, welcher Ausfeilung meine zuerst herausgegebenen Schriften noch bedurft hätten, um irgendeinen Grad von Vollkommenheit zu erreichen. Indessen wurden sie und werden noch immer häufiger gelesen und öfter[14] aufgelegt, als sie es verdienen. Der Verleger bat um mehr Ware von der Art, machte mir vorteilhafte Bedingungen, und ich wies den Erwerb nicht von mir. Ich schäme mich dieses Geständnisses nicht: Wer nur irgend weiß, auf welche Weise mein Vermögen eine lange Reihe von Jahren hindurch, sehr ohne meine Schuld, ist verwaltet worden, der wird mir das gern verzeihn, und wer mit meiner häuslichen Lebensart bekannt ist, muß mir das Zeugnis geben, daß ich das Gewonnene auf keine unedle Art verwendet habe.

Nicht immer habe ich mich vor meinen Schriften genannt; zuweilen hat man mich als Verfasser von Büchern angegeben, die ich nicht einmal gelesen hatte. Das hat mich bis jetzt wenig bekümmert; anders aber handelt der Mann, der in fremden Provinzen lebt, ohne an den Staat geknüpft zu sein, dem es desfalls weniger ängstlich um seinen bürgerlichen und gelehrten Ruf zu tun ist, und anders der, welcher in seinem Vaterlande wohnt, und dem die Achtung, auch des Geringsten unter seinen Mitbürgern, nicht gleichgültig sein darf. Nach achtzehnjähriger Abwesenheit befinde ich mich nun wieder in dem letztern Falle. Ich würde fürchten, man möchte das Unkraut, das ich hergäbe, dem vaterländischen Boden zur Last legen, auf welchem es gewachsen wäre, wenn ich fortführe, so schnell zu arbeiten; ich würde fürchten, mein liebes Vaterland zu beschimpfen, in welchem gottlob der Haufen elender Scribler noch nicht so groß ist als in den mehrsten andern Provinzen Deutschlands. Was ich also hier liefre und etwa ferner liefern werde (wenn ich je noch außer diesem Werke etwas schreiben sollte), muß wenigstens keine lose Ware sein, und nicht leicht werde ich wieder etwas drucken lassen, ohne meinen Namen davorzusetzen.

Es hat nicht Unzufriedenheit mit meinem Herrn Verleger in Frankfurt am Main, sondern andre Rücksichten haben mich bewogen, dies Buch einer hiesigen Buchhandlung in Verlag zu geben; vielmehr muß ich dem Herrn Andreä das Zeugnis geben, daß er sich jederzeit sehr billig, redlich und freundschaftlich gegen mich betragen hat.

 

Hannover im Jänner 1788.

 


via zeno.org

Adolph Freiherr von Knigge: Über den Umgang mit Menschen. Frankfurt a.M. 1977, S. 12-17.