Bestimmung schlögt Bares

Sinn und Zweck in der postdigitalen Zeit



Dan Pink Motivation
Vorweg zur Entlastung sogenannter BTL¹ Agenturen, bei kleinen, einfach zu lösenden Aufgaben funktioniert die altbewährte Methode von Anreiz und Belohnung, wie wir sie zur Genüge von Gewinnspielen her kennen. BTL Agenturen wissen, dass sie somit für Markenbildung nicht in Frage kommen.

Ein vom MIT Institut in Boston wieder und wieder mit unterschiedlichen sozialen Gruppierungen, durchgeführte Verhaltensstudie, soll aufzeigen, dass, insofern wir die Leute über eine direkte, mechanische Aufgabenerfüllung hinaus, für unsere Marke gewinnen wollen, sie also durch selbständige Beteiligung, Anteil an unserer Marke nehmen lassen wollen, sich die Dinge anders verhalten als wir es in unserem Wirtschaftsstudium beigebracht bekommen haben.

Wir sind nicht so unendlich manipulierbar & vorhersagbar wie du vielleicht denkst.
Eine Aufgabe meistern und einen Beitrag leisten zu wollen, ist von größerem Anreiz als das Befolgen mechanischer Aufgabenerfüllung. Was uns treibt ist die, von Dan Pink nicht erwähnte, Selbstaktualisierung [Selbstverwirklichung]. Selbstaktualisierung nimmt die Spitze ein in der Maslowschen Bedürfnispyramide², verständlicher vielleicht als Reiz des Neuen³.

 

Die nicht nur von mir verehrte Londoner Strategin, Amelia Torode, fasste es im Vorjahr in ihrem 8. Sozialprinzip elegant zusammen:

  1. Das Bedürfniss ist Zugehörigkeit.
  2. Das Verhalten ist sozial.
  3. Der Gewinn ist Achtung.

 

 

 

 

 

 

 


Was uns treibt ist ein Dreifaches.

Autonomie: Der Wunsch die Richtung zu bestimmen.
Justin Townsend, machte mich vor Jahren darauf aufmerksam, denen Beachtung zu schenken, deren Druck von Innen kommt. Wir wollen uns selbst bestimmen und nicht nach der Pfeife anderer tanzen.
Meisterschaft: Unser Verlangen uns zu verbessern.
In unserer Freizeit betreiben wir Hobbies. Spielen Gitarre ohne dafür Geld zu erwarten. Betreiben eifrigen Wettstreit im Backen von Kuchen. Bekochen uns gegenseitig bis der Arzt kommt und wetteifern zunehmend mit strategischem Konsum. Warum? Es treibt uns das Verlangen, uns zu verbessern und zu behaupten, in dem was wir tun. Die Freude und Erfüllung darin, etwas zu lernen.
Einen Beitrag leisten.
Hinzu kommt, das wir einen Beitrag leisten und die Zeit nicht untätig verstreichen lassen wollen. Wir erhoffen uns Anerkennung, indem wir uns als nützich erweisen. Wir legen nachweislich mehr Fleiss an den Tag für selbstgewählte Tätigkeiten als für die entlohnte Vollbeschäftigung.


Sinn und Zweck transzendent
Oculus non vidit, nec auris audivit


 
Europäer müssten aus der Religionslehre mit einem spirituellen Überbau besser zurechtkommen als der pragmatische Anglosachse, der die Dreifaltigkeit von vorneherein ablehnte. Was hier anklingt, dürfte auch denen gefallen, die gerne von einer sozialistischen Verschwörungstheorie ausgehen.


  1. Autonomie
  2. Meisterschaft
  3. Einen Beitrag leisten

Grundbedürfnisse, ob nun angeboren oder anerzogen bleibt dahingestellt. Sie zu erfüllen ist uns lohnendere Beschäftigung als dem Geld hinterher zu laufen.

 

 

 


Heute lernen immer mehr Unternehmen, dass gesunder Menschenverstand und ein akzeptabler Umgang mit menschlicher Motivation für ihr Unternehmen profitabler sein kann, als seine praktizierte, rituelle Verleumdung, oder seine Verdrehung durch die uns bekannten, künstlich geschaffenen, der Dynamik entgegengesetzten, starren Organisationsstrukturen.

 

¹ Below the line -, direct response -, Direktagenturen
² Maslow’s Motivationspyramide hier einzusehen.
³ Von Thomas Hahn und Jörn Blachnitky in Erinnerung gerufener Begriff