Abgehoben

16. November 2015

 

 

Abgehoben

Epic Daydream, Julio Larraz.

 

 

Kunst und Kommerz

Von Leonardo DaVinci, James McNeill Whistler, Rembrandt van Rijn, Gustav Klimt, meinem Ur-Urgrossvater John Singer Sargent über Andy Warhol bis hin zu Wolfgang Beltracchi oder Florian Süssmair, haben berühmte Porträtmaler akzeptiert, dass Geschäfte untrennbar sind von ihrer Kunst. (Florian Süssmair ist kein Porträtmaler und mit dem Malen von Porträts schlecht beraten. Die Leute wollen vertraute Wirtshausmalerei, Beer Paintings von ihm.).

Kunst und Kommerz sind ineinander verwoben. Da kommen Sympathien auf für die bayerische Sehnsucht, nach in Stein gemeisselter Erdung in Ordnung und Ministerpräsident Seehofers Lösung durch Wiedereinführung der Grenzen und der somit möglichen Abgrenzung, wie sie der Dialekt auch unterstützt.

 

 

Mode und Verzweiflung

Das letzte Buch das ich gelesen habe, war die Biographie von Kate Moss. Hier eine toll unterhaltsame Zusammenfassung der im Rückblick aufregenden Moden der 1990er Jahre, in denen pro Jahr entscheidendes geschah. Es ist Thomas Meinecke’s Verdienst einer Münchner Studentenschrift einen so treffenden Namen wie Mode und Verzweiflung verpasst zu haben.

Das ist wie von Austin Kleon heute: „Zeige Deine Arbeit”1. Der Titel beantwortet die Frage was ist und was es für junge Künstler zu tun gilt, zutreffender als es die Inhalte vermögen.

Zara und Gap beginnen 1990 ihre weltweite Expansion und im Februar 1998 findet die spektakuläre Eröffnung von H&M in Paris statt. Es ist das Ende des Wirtschaftsmodells der Mode. Das Ende der 2 Kollektionen pro Jahr. Von nun an gibt es ständig Nachschub. Damit wird die grosse Idee: the Big Idea, von einer langen Idee abgelöst, the Long Idea. Die Fragmentierung der Märkte lassen die zentrale Botschaft, zu der sich alles zu einer bestimmten Zeit einfindet, nicht länger zu. Dieter Bohlen hat das mit dem Musikladen von 1972-1984 erklärt, zu dessen Sendezeit sich ganz Deutschland vor dem Fernseher eingefunden hatte.

 

 

Philosophie und Schwerkraft

„A triumph of style!“2, nennt die Mutter der Studentin Jill (Emma Stone) die Schriften des neuen Philosophieprofessors ihrer Tochter. Das Lob ist jedoch nur der Auftakt zum kritischen Tadel. Schließlich siege die Form hier auf Kosten des Inhalts, der aber halte dem prüfenden Blick nicht stand: „He’s just a romantic.“

Volltext von Jörg Schöning lesen

 

 

Nüchternheit und Ruhe

Jede nachrückende Generation ist pragmatischer als die vorhergehende. Ihre Stärke ist die Akzeptanz. Sie lieben ihre Eltern und begehren nicht auf, aber sie tun auch nicht was die Eltern taten. Die im herkömmlichen Sinn, erfolgreichen, konzentrieren ihre Kräfte auf das was sie zu tun gedenken. Sie verschwenden keine Energien in Revolten aber unterbrechen, Macht ihrer egoistischen Ideen und Geschäftsideen, bisherige Marktführer und überwinden den Wettbewerb. Nicht aber indem sie den Wettbewerb sabotieren oder unterwandern, aber indem Ihre Ideen mehr Anhänger finden und sie bestehende Nachfrage bei aller Bescheidenheit besser bedienen. Das ist die Disruption.

 

 

 

 

  1. Show Your Work, Austin Kleon
  2. Irrational Man, Woody Allen
Share on StumbleUpon1Tweet about this on TwitterGoogle+1Digg thisshare on Tumblr0Share on LinkedIn1Pin on Pinterest0Email to someoneShare on Facebook0