Blackstar

12. Januar 2016

 

 

Zum Ableben unserer Musiker

 

 

 

 

Das
Vermächtnis
Blackstar

David Bowie Blackstar

 

 

Mir hätte „ Aladdin Sane” schon gefallen, wäre da nicht der Gruppenzwang in der Mensa der Munich American Highschool gewesen, von einem Harry Stolov und seiner Gang und wären den Mitschülern nicht Spaghettis mit Tomatensoße um die Ohren geflogen, sowie sie die Textstrophen nicht begeistert nachsagten.

Mir hätte Harry’s Gang schon gefallen, anderntags flog mir eine Koladose zur Erinnerung an den Kopf. Ich hatte mich bereits früher, im Gymnasium Starnberg, den Intellektuellen der Raucherbarake verweigert.

David Bowie musste warten bis ich mich Jahre später, erfolglos verknallt hatte, in die schöne Freundin meines bis heute verlässlichsten Freundes, der Bowie im Erscheinungsbild nahe kam. „The Rise & Fall Of Ziggy Stardust” blieb fortan im Ohr, wenn ich auch später bereute, mich vom Kunstgeschmack der sozialistischen Freunde habe beeinflussen lassen.

 

 

Luke Fraser nahm dieses Foto von Zeitungen und Boulevardzeitungen bei einem Gemischtwarenladen in Großbritannien.

Luke Fraser nahm dieses Foto von Zeitungen und Boulevardzeitungen bei einem Gemischtwarenladen in Großbritannien.

 

 

Ein Chameleon oder Wandler ist Bowie mit Ausnahme von „Young Americans” nie gewesen

Beim Sprung über den Atlantik musste er mit „Young Americans” auch in der Auswahl der Musiker etwas versuchen, was den Amerikanern zusagen würde.

Publikum und Media hatten etwas das sich weiter zu erzählen lohnte und aus Mangel an Eindeutigem machte der Mythus von Wandel, Metamorphose, vom Chameleon die Runde.

Die Beatles lebten Wandel in der ersten Welle vor. Transformation. Die Vier demokratisierten Popmusik, sie zeigten der Welt das jeder Musik machen kann, wie jemand auf Lemmy Kilmister’s Beerdigung verlauten liess.

 

 

Es gibt keinen Wandel,
es gibt nur Entwicklung

Sarah Connors in Katrin Mauerfeind Sendung, Samstag den 23. Januar 2016

 

 

Lemmy’s Beerdigung live auf YouTube, brachte den Tod1 wieder dorthin, wo er hingehört. In unsere Mitte. Supernormal. Eine sozialpolitische Meisterleistung.

David Bowie war einer, der wie kein anderer, den Tendenzen hinterherlief und sich anbiederte, was dem gleichsam kürzlich verstorbenen Frontmann von Motörhead nicht nachgesagt wird. Der musste sich für den Auftritt auch nicht umkleiden.

Kein Wandel von Outside zu Blackstar. Ein Anbiedern mit Mick Jagger im Video oder Steve Strange von Visage bis zuletzt mit der Dramatisierung des nahenden Todes zu Blackstar. Lange ins Leben hinein wusste er nicht was er tat, was in Ordnung war, dann aber wusste er es, was, wenn das Publikum es bemerkte, unangenehm wurde.

Bowie lehrte Virtuosität, Bühnenbild, also Komplexität und Drama. Schön waren die einfachen von Händeklatschen getriebenen Stücke zu Anfang, sein Singen auf Outside und Blackstar. Am meisten anfangen lässt sich mit Stücken, wie dem Remake von „Friday on my mind” und PinUps.

Wham bam thank you Mam.

 

 

Im Zentrum von allem

Irrungen und Wirrungen ganz nach dem Geschmack des Feuilletons und des Publikums, dass ebenso nach Tendenzen trachtete und dem vermeintlichen Reiz des Neuen auf den Leim ging, der sich immerzu als alter Kitsch heraus stellte. Zutreffend auch die Verschwörungstheorien, wie aktuell Planet X mit Monde des Nibiru zu Blackstar.

Von Sara Benincasa gibt es ein elegantes Dankeschön auf Medium zu lesen, dass Bowie zutreffender erfasst, als Schutzheiliger der Sonderlinge, wobei eben auch CNN Moderatorinnen zu ihnen gehören.

Zwei von ihnen hatten zur Nachricht vom Tode verlauten lassen, dass Bowie sie durch die Lebensphasen begleitet habe und das obdoch keine der beiden orangefarbenes Haar hatte.

 

 

  1. Petra Hammerstein: „Früher wurde daheim gestorben, da war der Tod noch unter uns, was ganz normales.”
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